Fantastisches! Schauriges! Wahres! Spannendes! Lustiges! Dies alles ... ... in Büchern und Geschichten von Joachim Größer

Fünftes Buch: "Der Geheimbund Menjok"

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Der Geheimbund Menjok, Kap. 1-9.pdf
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Die Kapitel 14 + 15 werden (spätestens) am Sonnabend, d. 28.11.09 eingestellt.

       

 

      Der  Geheimbund Menjok

                 

                                       (Fünftes Buch)

 

                  Eine unglaubhafte aber wahre Erzählung

 

                          für Leser ab 10 Jahren

 

                            aufgeschrieben von

 

                                   Joachim Größer 

 

 

9. Kapitel

…………..

 

Sie sahen eine riesige Halle, es war der Saal, in dem sich die Jungs jetzt befanden. Viele Menschen standen schweigend. Sie waren in rote Umhänge gehüllt und trugen solche Zipfelmützen, so wie Loki eine gefunden hatte. Ein Mann trat vor, verbeugte sich und sagte: „Lebt wohl, Ifosianer!”

Loki schrie aufgeregt: „Das ist doch mein Großvater! Das ist mein Großvater Skill!” Und die Jungs schrien jetzt genauso laut: „Das ist Skill Hades! Das ist unser Bürgermeister!”

Nur einer behielt die Ruhe, Gregor. „Seid still! Hört weiter zu!” Gregor versuchte, das Gebrüll der anderen zu übertönen.

Jetzt trat ein anderer Mann vor. Auch er verbeugte sich tief und sprach: „Lebt wohl, Menschen!” Schweigend und gesenkten Hauptes gingen die Menschen aus der Halle. Ein sehr alter Mann sprach mit zitternder Stimme zu den Menschen, die an ihm vorbeizogen: „Verlasst ihr diese Höhlen, seid ihr Ifosianer und Menschen!”

Olin flüsterte: „Das war doch der uralte Archivar. Er starb vor drei Jahren.“

Nur zwei Menschen blieben in der Höhle zurück: Skill Hades und ein alter Mann. Jetzt war es Gregor, der rief: „Arne, das ist doch unser Uropa?!” Und nicht nur sein Cousin Arne bestätigte ihm das, auch die Jungs riefen: „Das ist Opa Klein.”

Die Bilder verschwanden. Schon wollten sich die Jungs abwenden und ihre Meinung zu dem Gesehenen austauschen, als Loki, die Mütze hatte er noch auf dem Kopf, aufgeregt redete: „Bleibt! Bleibt stehen! Mir ist so eigenartig!”

Und wieder schien es, als habe eine fremde Macht über ihren Kameraden Loki Macht ergriffen. Er schloss die Augen, drehte sich um, legte die Hand auf das Kästchen und gleichzeitig streckte er den Arm in Richtung Wand. Bilder blitzten auf. Eine Figur bildete sich aus den Bruchstücken: Skill Hades. Und die Jungs hörten ihn sprechen: „Mensch, der du zwei Aufgaben gelöst hast, erfahre nun alles. Damit ist auch die dritte Aufgabe gelöst. Wir, die ehemaligen Zwerge und Trolle, als Außerirdische in Not auf dem Planeten Erde gestrandet, geben dir unser Wissen preis. Es ist das Wissen der Majokaner, die ihren sterbenden Heimatplaneten verlassen mussten. Es ist aber auch das Wissen der Zwerge und Trolle, die sich zu Jokanen, zu Wiedergeborenen, gemacht haben, um in menschlicher Gestalt, nach 2.000 Jahren erneut die Erdoberfläche zu betreten. Wir wissen nicht, wann der erste Mensch diese Höhle betreten wird. Nach dem heutigen Wissensstand der Menschheit wird es noch viele, sehr viele Jahre, wenn nicht gar Jahrhunderte dauern. Aber wisse, Mensch - Frau oder Mann, alt oder jung - wisse, dass du eine ungeheure Macht mit diesem WISSEN in der Hand hältst. Du musst ein kluger Mensch sein, denn du hast die Aufgaben gelöst. So vertrauen wir auf deine Klugheit, denn unser WISSEN darf nur dem Wohle der Menschheit dienen. Kommt es in falsche Hände, wird es zur tödlichen Gefahr!”

Völlig versunken im Betrachten der Bilder vergaßen die Freunde die Zeit, denn was sie erfuhren, davon hatte keiner von ihnen je geträumt. Sie erlebten alle Stationen der Vergangenheit des Zwergenvolkes. Gregor und Arne sahen ihre Väter als Jungens mit ihrem Opa in die Zwergenhöhle rutschen, verfolgten den Werdegang ihrer Väter, wurden Zeuge einer besonderen Hochzeit, hörten Raik flüstern: „Das sind ja meine Ma und mein Pa!” Sie sahen Großvater Olin, wie er einen kleinen Zwerg hochhob und zu Anton und Martin Klein stolz sagte: „Sie nennen meinen ersten Enkel Olin - Olin, der Zweite.” Und Olin hörte Arne flüstern: „Das bist du, Olin zwo.“

Als Loki seinen Vater als jungen Mann in diesem Umwandlungsapparat verschwinden sah, umkrampfte er die Hand seines neben ihm stehenden Freundes. Es war Gregor und der drückte die Hand und Loki sah mit großen ängstlichen Augen die Wiedergeburt des ersten Zwerges, der sich jetzt Jokane nannte - seinen Vater Marg. Sie erlebten die Ankunft der Majokaner und erfuhren von den Problemen der Bewohner des Planeten Ifos.

Sie standen, hörten und sahen. Als zum Abschluss des Berichtes Skill Hades erschien, folgten sie fast willenlos seinen Anweisungen. Wie von Zauberhand tat sich eine Wand auf und in diesem Raum fanden sie rote Umhänge und Zipfelmützen. Jeder setzte eine Mütze auf, legte sich einen Umhang um und dann folgten sie einer Lichtspur. Sie führte zum WISSEN des Zwergenvolkes, zum Archiv. Die Wand öffnete sich und sie betraten das Archiv. Sie hörten Skill Hades Stimme, der ihnen Anweisungen zum Öffnen und Schließen des Archivs gab: „Du schließt das Archiv mit dem Sicherungshebel an der Seite. Du öffnest es auch mit einer Sicherung.”

Jetzt erwachten die Jungs aus ihrer Erstarrung. Wieder war es Gregor, der die Anweisung gab: „Wir schließen das Archiv und kommen morgen wieder.”

Und die Jungs folgten ihm. Sie verließen schweigend das Archiv, die Höhle von Berghausen. Draußen war bereits Nacht und schweigend fuhren sie zurück ins Alte Gehöft. Als das Anwesen in der Dunkelheit sichtbar wurde, hielt Gregor an, schaute seine Freunde an und ließ sich das Versprechen geben, zu niemandem über dieses Erlebnis zu sprechen. Auch Ribo, der genauso schweigend wie die Jungs sich verhalten hatte, versprach: „Ich werde nichts berichten.”

Im Alten Gehöft herrschte große Aufregung. Großvater Klein wollte gerade die Eltern über das Verschwinden ihrer Jungs informieren, als Oma Klein von draußen erleichtert rief: „Alfred, sie kommen!”

Zuerst kam das „Große Donnerwetter”, dann die Frage nach dem Grund der Verspätung, die Opa Klein nicht akzeptierte, denn Gregors Achselzucken konnte nicht überzeugen und so verhängte Opa Klein die Strafe: vier Stunden Gartenarbeit.

Ohne zu maulen, nahmen die Jungs die Strafe an. Das Abendbrot schmeckte ihnen gar nicht. Oma Klein schaute betrübt und als die Jungs in das Glashaus gingen, schimpfte sie mit ihrem Mann: „Noch nicht einmal gegessen haben sie, Alfred! Musste du aber auch gleich solch eine Strafe verhängen! Ausschimpfen hätte auch gereicht!“

Und Opa Klein schlurfte verärgert und knurrend aus dem Zimmer.

Die Jungs lagen mit offenen oder geschlossenen Augen und erinnerten sich schweigend an das Gesehene. Gregor war der Letzte, der einschlief. Der Hahn verkündete schon den Morgen, als er endlich in einen unruhigen Schlaf fiel.

Das Frühstück wurde wortkarg eingenommen. Die Arbeit im Garten vertrieb Gedanken, die seit gestern durch die Köpfe der Jungs geisterten.

Arne brach zuerst das Schweigen: „Ob wir mal Uropa fragen sollten, ob er noch Erinnerungen an die Zwerge hat?”

Diese Frage, eigentlich nur an Gregor gestellt, griff aber Olin sofort auf: „Das würde mich auch interessieren.”

Nun standen die Jungs im Kreis und diskutierten, ob man fragen sollte oder nicht. Nur Ribo grub noch fleißig das Beet um und strahlte, als ihn Gregor dafür lobte. Sie ließen Ribo weiter graben und erörterten das Problem. Die Freunde einigten sich darauf, dass Gregor zu Mittag einen ganz vorsichtigen Versuch bei den Urgroßeltern unternehmen sollte.

Besonders Oma Klein war heilfroh, als sie ihre jungen Gäste im Garten sprechen hörte. „Alfred, sie reden jetzt wieder. Schau mal, wie fleißig Ribo ist.”

Opa Klein schaute vom Hoftor in den Garten und meinte feixend: „Ja, jetzt gefallen sie mir wieder - lassen den Roboter arbeiten und reden nur dummes Zeug.” Und zu den Jungs rief er: „Die Strafe war: Arbeiten! Nicht reden! Klar?!” Die Jungs fühlten sich ertappt, stoben auseinander und arbeiteten wie besessen ihre Strafe ab.

Am Mittagstisch stieß Olin Gregor ständig an. Gregor, der nicht wusste, wie er seine Fragen stellen sollte, knurrte: „Ja, doch. Lass mir doch Zeit!”

Oma Klein bekam diese Auseinandersetzung mit und half mit ihrer Frage Gregor seine zu stellen: „Was ist denn Olin und Gregor? Habt ihr einen Wunsch? Dann raus damit. Vielleicht kann ich ihn euch erfüllen.”

„Ach Oma”, stotterte jetzt Gregor los, „wir haben doch Sagen aus dem Idenwald gelesen. Und in einigen Sagen kommen Zwerge vor. Nun streiten wir uns, ob es vielleicht wirklich einmal solche kleinen Menschen gegeben hat.”

Das war zwar keine Frage, aber Großvater Klein sah sich genötigt, dazu grinsend seinen Kommentar abzugeben: „Ja natürlich. Hier unter uns wohnten sie, die Zwerge. Ich kann euch noch die Stelle zeigen, wo sie mich besucht haben.”

Die Jungs sahen sich erschrocken und dann wieder verlegen an. Loki flüsterte: „Sie wissen es noch immer.”

Großmutter, die die verstörten Gesichter der Jungs sah, begann jetzt laut ihren Mann zu schimpfen: „Was erzählst du wieder für einen Blödsinn, Alfred. Die Jungs fragen anständig und du tischst ihnen Märchen auf. Manchmal kann man wirklich an deinem Alter zweifeln!”

Und Loki hörte jetzt Arne zischeln: „Sie wissen es nicht, Loki. Mein Uropa versucht nur mal wieder, uns ‚auf den Arm zu nehmen‘.”

Somit war geklärt, dass doch niemand von den Erwachsenen sich an diese Zeit erinnern konnte.

Den Nachmittag blieben sie im Alten Gehöft und versuchten, sich nützlich zu machen.

Das kam Opa Klein sehr komisch vor und fragte deshalb seine Frau: „Sag mal, Karla. War ich zu streng mit der Rasselbande? Die Jungs sind so arbeitsam, das ist ja schon beängstigend.”

„Natürlich warst du zu streng! Das hast du nun davon!” Auf diese Antwort reagierte Opa mit leisem Murren und legte sich zum Mittagsschlaf auf die Couch.

Nur noch wenige Tage hatten die Freunde Zeit, die Höhle weiter zu erkunden. So beschlossen sie, den nächsten Tag im Archiv zu verbringen. Gregor befragte aber seine Urgroßeltern noch zu einem Problem, dass ihn sehr beschäftigte. Er wollte wissen, ob das Wissen der Menschen auch missbraucht werden kann. Diesmal bekam er eine richtige und sehr ernste Antwort: „Wissen ist immer gut. Menschen, die viel wissen, treiben die Entwicklung voran. Natürlich wurde Wissen schon immer missbraucht. Eisen wurde als Material entdeckt und man stellte Pflüge und Schwerter daraus her. Dynamit wurde erfunden und man baute Tunnel durch die Berge. Aber die Kriege wurden jetzt noch mörderischer. Denk selbst darüber nach. Du wirst noch viel mehr Beispiele aus der Geschichte finden. Wichtig ist immer, in welchen Händen sich das Wissen befindet, welche Ziele dieser Mensch oder diese Menschengruppe damit verfolgen. Wissen ist Macht, Wissen macht mächtig!”

Die Jungs lauschten den Worten. Gregor, noch nicht mit der Antwort zufrieden, fragte aber nach: „Opa, stell dir vor, du findest durch Zufall ein Buch, in dem stehen Dinge, von denen kein Mensch etwas weiß. Es ist Wissen, dass die Menschen erst in einigen Hundert Jahren selbst haben würden. Würdest du das öffentlich verkünden?”

„Gregor, Jungs, ihr fragt aber Dinge! Solche Fragen können keine Philosophen beantworten, geschweige denn ein alter Mann.” Er zögerte sehr, ehe er weitersprach: „Wenn dieses Wissen in die falschen Hände kommt, dann könnte die gesamte Menschheit vernichtet werden. Ich glaube, ich würde dieses Buch nicht wollen!”

Am Abend im Glashaus wurde über Opas Kleins Aussage „Ich würde das Buch nicht wollen!” diskutiert. Sollten sie die Zwergenhöhle vergessen? Dann so tun, als hätte es nie eine solche Höhle gegeben? Sie würden aber zugleich die Vergangenheit aufgeben, auch ihre eigene? Wie also umgehen mit solch einem WISSEN einer außerirdischen Kultur?

Man einigte sich, da man sich nicht auf irgendetwas festlegen konnte, darauf, dass „der Morgen klüger sei als der Abend“. Morgen also sollte dies Problem angegangen werden.

Auch diese zweite Nacht war für die Jungs eine Qual. Als sie nach dem Frühstück zur Höhle losfuhren, war immer noch keine Entscheidung getroffen, wie man mit diesem Geheimnis umgehen wolle.

Gregor meinte schließlich: „Entscheiden wir uns, wenn wir das WISSEN der Zwerge kennen.” Damit waren alle einverstanden.

 

10. Kapitel

………………..

 

Fast war es schon Routine, wie sie den Zugang zur Zwergenhöhle bewältigten. Nur der Eintritt ins Archiv gestaltete sich schwierig. Zuerst suchten sie den Raum, in welchem sie die Mützen und Umhänge wieder abgelegt hatten. Zum Glück hatte man Lokis Zipfelmütze am Höhleneingang hinterlegt, denn sonst hätten sie diese Zwergenschlösser nicht öffnen können. Darin waren sich die Jungs einig. Nicht gerechnet hatten sie mit dem Vergessen. Wo war denn nun eigentlich der Raum mit den Mützen und Umhängen? Man sah nur Höhlenwände und alle Wände sahen gleich aus. Arne meinte, das wäre die linke Seite der Höhle, die aber Olin kategorisch ablehnte. Loki, der wieder seine gefundene Mütze aufgesetzt hatte, hörte Ribo sagen: „Ich habe doch alles aufgezeichnet. Warum fragt mich keiner nach dem Zugang.”

Loki fragte Ribo auch sogleich, ging in eine ganz andere Richtung als die, die Arne oder Olin dachten, und mit Ribos Hilfe öffnete er den Raum und sie nahmen Mützen und Umhänge. Nun sahen die Freunde wie etwas zu groß geratene Zwerge aus. Nur Ribo verzichtete auf Umhang und Mütze. Fast stolz verkündete er: „So etwas brauche ich nicht. Mein Herr, der große Erfinder Olin, hat mich so geschaffen, dass ich ohne Mütze und Umhang nützlich bin.” Olin wollte schon wieder den Roboter nachäffen, ihn ärgerte der Roboter mit dieser blöden Redewendung „mein Herr, der große Erfinder Olin” mächtig, doch Gregor verhinderte dies, indem er Ribo tüchtig lobte. Zu Olin gewandt, sagte er: „Ribo ist unser Freund.”

Und Olin hörte Ribo jetzt sagen: „Ja, ich bin euer Freund.” Also winkte Olin nur verärgert ab.

Das Öffnen des Archivs war aber nicht so einfach. Den Weg zum Archiv konnte ihnen Ribo zeigen, aber öffnen, das konnte weder er noch die Jungs. Krampfhaft waren sie bemüht, sich an die Anweisungen, die Skill Hades vor zwei Tagen in der Höhle für das Öffnen und Schließen des Archivraumes gegeben hatte, zu erinnern. Aber es war wie verhext. Loki meinte schon, dass es der Zufall wolle, dass man das Geheimnis der Zwerge ruhen lassen solle. Nun machte aber Raik den Vorschlag, noch einmal das Kästchen zu befragen. Dieses unscheinbare Kästchen stand noch immer auf diesen Tisch aus Stein. Loki versuchte, das Kästchen zum Sprechen zu bringen - ohne Erfolg. Auch Robi konnte nicht helfen. Das war für Olin Grund genug, den Roboter zu ärgern: „Na du! Du willst nützlich sein? Hat dir dein Herr, der große Erfinder, doch nicht alles beigebracht?!”

Jeder der Freunde versuchte, das Kästchen zum Reden zu bringen. Sie versuchten mit verschiedenen Redewendungen, mit Drohungen und allgemeinen Floskeln wie „Bitte! Bitte!” Das Kästchen blieb stumm.

„Jetzt brauchen wir nicht mehr überlegen, ob wir das WISSEN der Zwerge kennenlernen wollen”, kommentierte Arne ihr Versagen.

Traurig traten sie den Rückweg an. „Ob wir es morgen noch einmal versuchen sollten?”, fragte Raik kleinlaut.

„Was soll das bringen”, erwiderte Olin. „Wir haben es heute nicht geschafft, dann schaffen wir es auch morgen nicht.

Wie von der Tarantel gestochen blieb Gregor stehen, rief: „Wir Esel!”, und er stürzte zurück. „Kommt mir nach!”, schrie er, dass es nur so in der Höhle widerhallte. So hetzten sie den Weg zum großen Saal. Dort sahen sie Gregor vor dem Kästchen stehen.

„Was haben wir heute anders gemacht, als vorgestern?”, fragte er. Die Jungs rätselten, aber keiner wusste es. Ribo verkündete: „Loki hatte die Hand auf das Kästchen gelegt.”

„Richtig Ribo, das hatte Loki gemacht. Und wir Esel haben das vergessen!”

Gregor verständigte sich per Gedankenübertragung mit Ribo und bat ihn um Unterstützung. Doch kaum hatte Gregor die Hand auf das Kästchen gelegt, bemerkte er eine angenehme Wärme, die den ganzen Körper erfasste. Dann verstand er Skill Hades: „Mensch, hast du die Zeit zum Nachdenken benutzt? Bist du bereit, die Geheimnisse der Zwerge zu erfahren? Willst du wirklich das WISSEN? Wenn du es willst, dann benutze das DENKEN. Das ist der wahre Schlüssel zum Archiv und damit zum WISSEN. Dieses Kästchen wird dir nicht mehr helfen können.”

Neugierig bestürmten die Jungs ihren Freund. Gregor hatte die Mütze abgenommen und schaute verlegen drein, als er das Gehörte wiedergab. Das war also die sogenannte Sicherung, von der sie vorgestern vernommen hatten. Das war nicht der Hebel, der sollte nur in die Irre führen. Der Schlüssel zum Archiv ist das DENKEN.

Aber wie kann Denken ein Schlüssel sein? Was soll man denken oder wie soll man denken? So standen sie vor dem verschlossenen Archiv und rätselten.

Nun standen sie schon das zweite Mal vor dem Archiv und versuchten, es zu öffnen. Sie zogen am Hebel und sprachen dabei. Aber alles, was sie auch ausprobierten, blieb erfolglos.

„Wir müssen anders an die Sache herangehen”, kommentierte jetzt Gregor ihr Versagen. „Skill Hades hat mir gesagt, dass das Denken der Schlüssel ist. Wir müssen rausbekommen, was er mit diesem Denken meinte.”

„Vielleicht ist das ganz einfach. Mein Großvater sagt immer ‚Das Komplizierteste ist meist das Einfache - man muss aber erst darauf kommen.‘ Wenn mein Opa an dieser Sicherung mitgearbeitet hat, dann muss es ganz einfach sein.” Olins Meinung über seinen Großvater wurde von allen akzeptiert. Aber trotzdem war das Archiv noch immer verschlossen.

„Wisst ihr noch, wie erstaunt wir waren, dass wir uns mit Ribo ohne Worte verständigen konnten? Vielleicht ist dieser Schlüssel nichts anderes als die Gedankenübertragung?! Na klar! Das muss es sein! Man denkt etwas und das geschieht. Ribo dachte ‚Licht an‘ und das Licht ging an. Ich probiere es.”

Gregor stellte sich vor die Wand, schloss die Augen als könnte er sich dadurch besser konzentrieren und dachte: „Öffne dich!” Er spürte zwar wieder eine angenehme Wärme, aber das Archiv blieb geschlossen. Jetzt hörte er Loki per Gedankenübertragung reden: „Gregor, benutze den Arm.” Er schaute Loki verständnislos an, doch der nickte und hob den Arm. „Gregor, nur durch Handauflegen brachten wir das Kästchen zum Reden. Die Bilder entstanden an der Wand nur, als ich den Arm gehoben habe.”

Ganz deutlich hörte Gregor Lokis Vorschlag. Jetzt vernahm er auch Olin. Der meinte: „Mach das Gregor. Die Mützen auf unseren Köpfen übernehmen die Signale aus unserem Gehirn. Wahrscheinlich werden diese durch den herausgestreckten Arm zielgerichtet gebündelt. Versuch es einfach.”

Gregor schloss die Augen, aktivierte seine Erinnerungen an das Archiv, dass sie vor zwei Tagen gesehen hatten und dachte: „Öffne dich!” Dabei streckte er den rechten Arm in Richtung Archiv. Ganz heiß wurde ihm jetzt. Die Wärme durchflutete seinen gesamten Körper. Geräuschlos hob sich die Wand aus Fels und sie betraten den Raum des WISSENS.

Nun waren sie doch schon vor zwei Tagen im Archiv gewesen. War das nun wirklich derselbe Raum? Wieso sah heute alles anders aus? Vorgestern sahen sie Regale mit Schriftrollen, einzelne Geräte, deren Verwendungszweck nicht erkennbar war. Das Archiv sah vor zwei Tagen eher wie ein Museum aus. Kaum hatten sie heute das Archiv betreten, wurden sie von einer Flut an Informationen überschüttet. Jeder entdeckte ständig etwas Neues, und da er den anderen das Neuentdeckte auch mitteilen wollte, herrschte ein absolutes Chaos in den Gedankenverbindungen. Das war auch für Ribo zu viel. Er stand ganz ruhig in einer Ecke und schien sich selbst abgeschaltet zu haben. Später erklärte er Olin, dass diese Sicherung sein Herr Olin, der große Erfinder, ihm mitgegeben hatte. Doch Olin hatte im Archiv „Frieden” mit seinem Großvater geschlossen. Er folgte nämlich einem „Gedankenpfad”. Auf diesen Begriff hatten sich die Jungs geeinigt, um die Hinweise, die die Zipfelmütze übermittelte, zu benennen. Olins Zipfelmütze übermittelte ihm: Technik der Familie Olin. Da konnte ihn keiner mehr halten. Dieser Raum an dem einen Ende des Archivs barg Geräte aus den verschiedensten Jahrhunderten. Da fand er ein Gerät, das als Steineschmelzer bezeichnet wurde. Daneben stand ein Zertrümmerer für Gesteine. Da lagen Uhren, die man nie als Uhren erkannt hätte, Spielgeräte, deren Einsatz man nicht erahnen konnte. Olin sah Maschinen, die so kompliziert in ihrem Aufbau waren, dass er nichts aber auch gar nichts davon verstand. Er hatte in kürzester Zeit gelernt, die Zipfelmütze für die Beschaffung notwendiger Informationen über diese Technikmodelle einzusetzen. Eins verstand er aber. Die Mütze sandte ihm einen „Gedankenpfad”: eisernes Pferd. Vor dem imposanten Pferd aus Eisen blieb er stehen und vernahm: „Dieses Pferd wurde einstmals für einen Fürsten der Menschen gebaut und konnte wie ein richtiges Pferd geritten werden. Der Reiter denkt die Bewegung und das Pferd führt die Bewegung aus. Es beherrscht Schritt, Trab, Galopp, Springen. Mit dem Druck der Hacke befiehlt man die Richtung.”

„Na, das kann ich auch”, dachte Olin und bestieg den Gaul. Gehorsam setzte sich das Pferd in Bewegung. So beschloss Olin, seinen Freunden, die jeder in einer anderen Ecke das Archiv entdeckten, seine Reitkunst zu zeigen. Und das klappte auch, bis - ja, bis er vor Schreck das Pferd mit den Hacken traktierte. Das eiserne Pferd bäumte sich auf, drehte sich einmal um sich selbst und galoppierte davon. Die Jungs sahen nur noch ein angstvolles Olin-Gesicht. Sie rannten ihm hinterher. Olin war auf seinem Gaul in einen noch entfernteren Raum gelangt und dort lag er nun mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem nackten Felsboden. Das Pferd selbst stand stocksteif neben ihm.

Zuerst bewunderten die Freunde das Pferd, dann spotteten sie über Olins Reitkünste. Doch der verteidigte sich: „Ich habe mich doch nur über Gregor erschrocken.”

„Wieso über mich?”, fragte Gregor, sich keiner Schuld bewusst.

„Na du hattest doch nur noch Kopf, Brust und Arme. Alles andere fehlte!”

„Was? Das hast du gesehen?”, rief Gregor. Er nahm ein Tuch und bedeckte seinen Körper damit. Für die Jungs war ihr Freund Gregor unsichtbar geworden. Gregor verstand nicht, warum seine Kameraden begannen, ihn mit ausgebreiteten Armen zu suchen. Er nahm das Tuch ab und fragte fast verlegen: „Ist irgendetwas mit mir? War ich vielleicht gar nicht mehr da?!”

„Ja, das warst du! Du warst unsichtbar!”, erklärte Loki und nahm das Tuch aus Gregors Hand und bedeckte sich damit. „Siehst du mich, Gregor?”

„Das sind Tarnumhänge. Mannomann, hatten die Zwerge eine Technik!” Olin war richtig hin- und hergerissen. Beim Aufstehen rieb er sich zwar mit verzerrter Miene sein Hinterteil, aber dieser Technik musste er seine Hochachtung erweisen.

Jetzt hörten die Jungs Loki über die Gedankenübertragung: „Kommt zu mir. Hier steht der Umwandlungsapparat.”

Sie entdeckten Loki am Endes dieses Höhlentraktes. Er stand in einer riesigen Halle und schaute auf ein Monstrum an Maschine, größer als ein Haus.

„Woher willst du wissen, dass das dieser Apparat ist?”, wollte Raik wissen. Loki antwortete ihm: „Dort ist der Einstieg. Dort ist mein Vater als Zwerg in der Maschine verschwunden und hier hat er als Mensch die Maschine verlassen. Außerdem brauchst du nur die Maschine zu fragen, was sie ist. Sie gibt dir die Antwort.”

 Und das probierten die Jungs sogleich aus. Und sie hörten auf die Frage: „Was ist das für eine Maschine?”

„Dies ist die erste Umwandlungsmaschine, konstruiert vom Erfinder Olin. Eine weitere Apparatur wurde später gebaut. Sie wurde aber von unseren Verwandten, den Majokanern, mit zu ihrem Heimatplaneten Ifos genommen. Dort wurden alle Majokaner zu Menschen. Sie nennen sich nun Ifosianer.”

„Ist diese selbsterklärende Technik nicht toll?”, sagte Loki. Ich habe das auch schon bei anderen Geräten entdeckt.

„Wie, du meinst, alle Geräte in diesem sogenannten Archiv sagen mir, was sie sind?”, fragte jetzt Arne. Und auf Lokis „Ja”, meinte nun Arne: „Dann frage ich also meine Taschenlampe. Was bist du für eine Lampe? Richtig so, Loki?” Loki nickte. Auch Olin bestätigte Lokis Aussage. „Probier es mal. So konnte ich auch das eiserne Pferd reiten.”

Also befragte Arne seine Taschenlampe. Und fast hätte Arne seine Taschenlampe vor Schreck fallen gelassen. Er und alle Jungs verstanden: „Dieses Gerät ist eine Kombination von Taschenlampe und Steineschmelzer. Der Erfinder Olin hat sie geschaffen. Ihr Eigentümer ist Martin Klein, Student der Geologie.”

„Verrückt, ein Steineschmelzer. Mein Vater besitzt einen Steineschmelzer. Nur, wie geht der?” Arne war richtig durcheinander.

Olin grinste, als er sagte: „Du kannst das ja so ausprobieren, wie ich das eiserne Pferd.” Und sich an seinen Sturz erinnernd, rieb er sich sein noch immer schmerzendes Hinterteil.

Arne wollte jetzt wissen, was seine vermeintliche Taschenlampe so kann. Er hielt sie in der Hand und gab Befehle: „Los!”, „Brenne!”, „Schmelzen!”

So probierte er alle im einfallenden möglichen Startvarianten aus.

Dann sagte er resignierend: „Fällt jemandem von euch ein, wie ich das Ding zum Starten bringe?”

Kaum hatte er das Wort „starten” gesagt, als seine Taschenlampe vibrierte. Dann schoss ein Feuerschweif aus seiner Taschenlampe. Arne schmiss die Lampe erschrocken weg. Gregor hatte gerade Zeit gehabt, zur Seite zu springen. Der Feuerstrahl streifte ihn zum Glück nicht mehr.

„Wau!”, schrie Olin. „Das ist ein Ding!”

Arne nahm mit zwei Fingern die bereits wieder erloschene „Taschenlampe” auf. Gregor, verärgert über den Beinahe-Unfall, erklärte: „Vorsicht mit allen Geräten. Der Steineschmelzer hätte mich auch verbrennen können.”

„Du hast Recht, Gregor”, erwiderte Arne und steckte seine Lampe weg. „Weißt du Gregor, mein Vater weiß nichts mehr von dieser Funktion der Lampe. Die hätte er mir sonst nie gegeben. Frage doch mal deine Taschenlampe. Ribo hat doch von den Batterien gesagt, dass sie auch eine besondere Strahlung haben.”

Kaum war das „Ribo” gefallen, rief Olin: „Wir haben unseren Roboter vergessen. Hoffentlich macht der hier unten keinen Blödsinn!”

„Wie meinst das mit dem Blödsinn, Olin?”, fragte Raik.

„Na, wenn die vielen Signale, die wir hier im Archiv empfangen ..., wenn der arme Kerl die nicht richtig verarbeiten kann, dann ... Dann dreht er durch!”

„Das ist doch eine Maschine, Olin. Die kann doch nicht durchdrehen.” Raik betrachtete die Sache nüchtern. Gregor war da anderer Meinung: „Ribo hat von Großvater Olin so viel neueste Technik eingebaut bekommen, möglich ist da alles!”

„Du meinst wirklich, ein Roboter kann ‚spinnen oder durchdrehen‘.”

„Suchen wir lieber Ribo. Olin empfing zuerst Ribos Signale. Auf seine Frage: „Geht es dir gut, Ribo?”, antwortete der: „Ich habe eine Sicherheitsabschaltung vorgenommen. Du hast mich jetzt geweckt.”

„Na, das hast du gut gemacht, mein Ribo!” Olin strahlte.

Nur Loki wurde mit einem Male zappelig: „Weiß jemand, wie spät es ist?”

„O, o! Wir kriegen Ärger mit Großvater Klein”, kommentierte Raik Lokis Bemerkung.

Ribo fühlte sich aber angesprochen: „Dieses Gerät sagt mir, dass es 17 Uhr und 33 Minuten Menschenzeit nach Sonnenstand.” Er zeigte dabei auf ein kleines Gerät, dass als Uhr gekennzeichnet war.

„Und wieso weißt du das”, fragte ihn Gregor. Und Ribo antwortete ihm: „Ich habe gefragt, wie spät ist es und bekam die Antwort.”

„Warum aber hast jetzt nur du das gehört und wir nicht?”, dachte Gregor laut. „Wir alle haben doch die Mützen auf.”

„Es ist Zeit, lasst uns gehen”, sagte der ängstliche Loki. „Wir wollen Opa Klein nicht wieder verärgern.”

Die Jungs begaben sich zum Ausgang. Sie wollten das Archiv offen lassen, aber wie von Zauberhand schloss es sich hinter dem Letzten.

„Hier gibt es noch so viel zu erforschen.” Gregor grübelte. „Ich glaube, alle Geheimnisse der Zwerge werden wir wohl nie erfahren.”

 

11. Kapitel

………………..

 

Sie fieberten dem nächsten Tag entgegen. Abends, im Glashaus, beratschlagten sie, wie sie weiter vorgehen könnten. Oma Klein machte sich immer noch Gedanken, ob ihr Mann nicht zu streng mit den Jungs gewesen wäre. Also bat sie ihren Alfred: „Geh, schau nach, ob sie noch etwas brauchen. Bringe ihnen diese heiße Schokolade. Die mögen sie doch alle.”

„Heiße Schokolade und das vor dem Schlafen”, knurrte Opa Klein, ging aber gehorsam mit dem Tablett ins Glashaus. An der Tür konnte er es sich nicht verkneifen zu lauschen. Doch das, was er hörte, war für ihn unverständlich. „Wir müssen erkennen, wie das System funktioniert.”

„Das müsste Gregors Stimme sein“, dachte Opa. Und wer spricht jetzt? Er lauschte. Olin oder Loki? „Wenn wir das ganze System kennen, beherrschen tun wir es nicht. Das System wird uns beherrschen, weil wir zu dumm sind für dieses System.”

Jetzt war sich Opa Klein sicher, das war Olin. Er wollte gerade an die Tür klopfen, als er interessante Frage hörte. „Was machen wir überhaupt mit diesem WISSEN? Opa hat vielleicht recht, als er sagte: ‚Ich würde das Buch nicht wollen!‘ Wir haben nun aber das WISSEN!”

„Schluss mit der Lauscherei“, murmelte Großvater leise und brachte den Jungs ihre Schokolade.

Dieses Problem - wie soll man mit dem Wissen der Zwerge umgehen - beschäftigte die Jungs am nächsten Tag. Jetzt wollten sie den Umfang des WISSENS erkunden, sie wollten einen tieferen Einblick in das Reich der Zwerge bekommen. Der Zufall half ihnen. Loki fand nämlich eine „Gebrauchsanweisung” - so bezeichnete Olin diese Informationen - für das Zwergenreich. Sie entdeckten Krankenstation, Schule, Kindergarten, leere Gewächshäuser, einen Fahrstuhl, der keiner war und den Wohnbereich der Zwerge.

Olin entdeckte die Wohnanlage seiner Familie. „Hier bin ich also geboren und hier habe ich meine ersten Schritte getan“, murmelte er vor sich hin. Dank der Zipfelmützen hörten aber alle seine Kameraden seine Bemerkung.

Gregor trat zu ihm: „Ich bin auch hier geboren, meine Schwester und ich. Aber leben tust du jetzt auf der Erde, wie wir alle. Und das ist gut so!”

„Trotzdem ist es komisch zu sehen, dass hier ein kleines Volk mehr als 2.000 Jahre unter der Erde gelebt hat. Irgendwie verstehe ich jetzt meinen Opa, der sich vor das Haus stellt und dann schweigend viele Minuten in den Himmel starrt. Das alles kannten die Zwerge ja gar nicht. Mich hat das schon oft aufgeregt, und ich habe innerlich gedacht: Sonne, Wolken und Bäume sehen ich jeden Tag. Warum soll ich auch noch in den Himmel blicken? Nun glaube ich zu wissen, warum Opa das unbewusst macht!”

Die Jungs hörten ihrem Freund Olin zu. So hatten sie ihren Olin noch nicht kennengelernt. Raik war jetzt derjenige, der sie alle mit seinem Hinweis auf die unterste Etage aufmunterte. Er hatte einen „Gedankenpfad” empfangen und dem folgten jetzt die Jungs. Sie fuhren mit dem Fahrstuhl. Keiner konnte erkennen, ob dieses Gefährt senkrecht oder waagerecht, langsam oder schnell sich bewegte. Sie gelangten in Räume, die ehemals nur wenige Zwerge betreten hatten. In einem Raum, Olin meinte, dass dies die Energiezentrale wäre, empfingen sie Informationen über die Energieversorgung des Zwergenreiches. Aber das Einzigste, was die Jungs verstanden, war, dass alle Systeme vollautomatisch funktionieren und der Energielieferant die Erdwärme ist. Loki legte die Hand an einen rosa-bläulich schimmernden Lichtstreif. Sofort hörten alle Jungs: „Soll der Zustand der ständigen Erwärmung und des Luftaustausches verändert werden?”

Loki wurde kreidebleich. „Ich habe doch nur ... Ich wollte doch ...”

„Ist doch gut, Loki”, beruhigte ihn Gregor. Dann wandte er ich an Olin: „Was meinst du, Olin, hat Lokis Hand schon eine Veränderung bewirkt?”

Olin nahm den anderen die Angst, indem er als „Techniker” verkündete: „Nein, das kann nicht sein.”

„Und warum bist du dir so sicher?”, fragte Arne.

„Weil Loki garantiert keinen Befehl ausgesprochen oder gedacht hat. Deshalb bin ich mir so sicher.” Und seit langer Zeit meldete sich auch Ribo mal wieder: „Ja, so ist es. Jede Frage muss mit einem Befehl beantwortet werden. Sonst ist keine Veränderung möglich. Auch mein Herr, Olin der große Erfinder, hat mich so programmiert.”

„Na seht ihr? Ich habe Recht und Loki braucht keine Angst mehr haben.” Und sich an Ribo wendend, erklärte er: „Das hast du ganz prima gesagt, Ribo.”

Und die Jungs glaubten, Ribo lächeln zu sehen.

Trotzdem meinte Gregor, dass es besser wäre, sie würden diese Etage verlassen. Wieder im Fahrstuhl hörten sie Loki ängstlich sagen: „Wenn ich nun doch was verändert habe? Vielleicht geht der Fahrstuhl nicht mehr?”

Aber bevor einer ihn beruhigen konnte, standen sie schon wieder in der obersten Etage.

„Wohin nun?”, fragte Arne. „Empfangt ihr ‚Gedankenpfade‘?”

„Ja, ich”, sagte Gregor. „Ich kann aber den Inhalt nicht deuten.”

„Na, dann haben wir doch was zu erkunden?”, erklärte Olin selbstbewusst und bat Gregor, dem Pfad zu folgen. Nun empfingen alle Jungs Informationen: Gleiter!

Mit diesem Begriff konnte keine etwas anfangen. Sie betraten eine größere Halle und standen sie vor einem Gegenstand, den Raik als zu groß geratene Zigarre beschrieb.

Deutlich vernahmen sie die Information: „Dies ist ein Gleiter. Er kann mehrere Personen transportieren und stellt die Verbindung zu allen Außenstationen her. Bitte einsteigen!”

„Sollen wir?”, fragte Arne, und ehe er eine Antwort bekam, saß Olin schon drin. „Mannomann ist hier Platz. Los, steigt ein!” Zögernd kletterten die Jungs hinein. Zum Schluss blieb Loki übrig. Gregor rief: „Komm nur, Loki! Du staunst, wie viel Platz hier ist. Automatisch werden die Plätze geschaffen. Du passt garantiert noch rein.”

„Ich bleibe lieber mit Ribo draußen”, erklärte Loki.

„Ach, quatsche nicht! Rein mit dir!” Olin wollte unbedingt das Gerät ausprobieren. Er empfing nämlich Signale, wie man den Gleiter zum Bewegen bringen konnte. Zögernd stieg Loki ein. Kaum hatte er den Fuß hineingesetzt, vergrößerte sich der Innenraum um einen Sitz. Kaum hatte Loki den Platz eingenommen, wurde er automatisch festgeschnallt. Jetzt saßen die Fünf hintereinander im Gleiter. Olin hatte die Regie übernommen. Sie hörten ihn jetzt über die Zipfelmützen: „Wohin wollen wir? Nach Schweden oder zum Ätna? Oder erst in die Schatzkammer? Auch die Atlantikküste wäre machbar? Dort steht ein Aquagleiter. Wohin wollen wir?”

„Nirgends wohin, jedenfalls heute nicht”, erwiderte Gregor. „Du vergisst hier unten die Zeit und meinst du, du schaffst das heute - zum Ätna und zurück?”

„Wir können es probieren?” Gregor glaubte, Olins Lächeln zu sehen. Aber das war unmöglich, denn Olin saß hinter ihm.

„Ach Gregor, nur eine kurze Strecke? Nur mal nach vorn und zurück!” Und ehe einer etwas dagegen einwenden konnte, vibrierte der Gleiter ganz leicht. Er verharrte wieder in Ruhe und die Jungs glaubten, nicht gefahren zu sein. Wie erschrocken waren sie, als sie ausstiegen und neben einem anderen Gleiter standen. Sie waren doch gefahren!

„Was hast du gemacht, Olin?”, fragte Raik erschrocken.

Olin stotterte verlegen: „Ich habe einen ‚Gedankenpfad‘ empfangen und dann habe ich gedacht: ‚Olins Flieger‘. Das war es. Mehr nicht.”

Zu allem Übel sahen die Jungs jetzt, wie sich ihr Gleiter in einer atemberaubenden Geschwindigkeit entfernte.

„Da hast du uns was Schönes eingebrockt, Olin”, knurrte Gregor.

Er hatte, den Satz noch nicht richtig beendet, als der Gleiter wieder vorfuhr und ihr Roboter ausstieg.

„Wie kommst du hierher?” fragte Olin verärgert. Seine Frage war berechtigt. Keiner hatte den Gleiter zurückgeschickt, um Ribo zu holen. Ribo selbst gab die Antwort: „Mein Herr, der große Erfinder Olin, hat mir befohlen, gut auf meine Freunde aufzupassen. Da ihr ohne mich gefahren seid, habe ich dem Gleiter befohlen, mich abzuholen. Jetzt kann ich wieder meine Freunde beschützen und mein Herr, der große Erfinder Olin, wird mit mir zufrieden sein.”

„Ach, lass doch mal deinen saublöden Spruch beiseite, Ribo. Sag lieber, ob du den Weg zurück weißt?”

Die Antwort versöhnte auch Olin wieder mit dem Roboter. Ribo erklärte eifrig: „Wir geben im Gleiter nur den Befehl: Bahnhof.”

Beruhigt erforschten die Jungs nun den anderen Gleiter, der ein Flieger des Olins sein soll.

„Und das Ding soll fliegen?”, fragte Arne skeptisch. Dieser Flieger hatte weder Flügel noch einen Schwanz. Man entdeckte keine Steuerungsmechanismen, keine Düsen. Nichts deutete auf die Möglichkeit des Fliegens hin.

„Wenn mein Opa das gebaut hat, dann fliegt es auch”, verkündete Olin stolz. „Wir können es ja ausprobieren.”

„Ist schon gut, Olin.” Arne wollte seinen Freund nicht provozieren. Außerdem empfingen sie jetzt Informationen: „Dieser Flieger ist von Olin, dem Erfinder, gebaut. Er fährt als Gleiter und in der Luft ist er schneller als jedes menschliche Flugzeug. Gesteuert wird es über Gedankenbefehle.”

„Hab ich es euch nicht gesagt!”, verkündete Olin strahlend. „Wollen wir seine Flugtauglichkeit probieren?”

„Nein, heute nicht. Denkt an die Zeit.” Gregor war der Mahner zur Besonnenheit. „Wir fahren zurück und nehmen uns für heute nur noch einen ‚Gedankenpfad‘ vor. Wir haben ja noch zwei Tage Zeit.”

Dieser letzte Pfad, dem sie dann folgten, wurde der aufregendste des ganzen Tages. Wieder im Archiv war es wieder Olin, der seine Freunde über diesen „Gedankenpfad” informierte. Sie folgten ihm und fast rennend erklärte ihnen Olin: „Ich empfange ganz starke Signale. Ich verstehe nur: Zeitmaschine. Was meint ihr, was kann das sein? Eine riesige Uhr oder eine astronomische Zeitmessanlage?”

Die Antwort konnte keiner der Freunde dem Olin geben. Sie waren nur bemüht, dem Olin zu folgen. Der rannte sogar, bis er vor einer kleinen Wand stehen blieb.

„Hier ist es. Aber warum ist dies Archiv nicht geöffnet?” Alle bekannten Möglichkeiten probierten die Jungs aus, keine funktionierte.

„Ribo, kannst du die Tür öffnen?”, fragte Gregor.

Ribo schüttelte seinen Kopf. Dann zögerte er und die Jungs hörten ihn über die Gedankenverbindung sagen: „Ich empfange ein ganz neues Signal. Ich kann es aber nicht deuten. Es ist sehr verwirrend.”

„Sag einfach, was du empfängst. Vielleicht können wir es dann mit diesen Informationen öffnen”, erwiderte Gregor.

„Ich empfange: Handauflegen - Denken - Nachkommen des Olin - Verantwortung - Schaden. Andere Signale sind noch verwirrender.”

„Danke, Ribo”, sagte Gregor und zu den anderen gewandt meinte er: „Hier wenden wir Uropas Spruch an ‚Probieren geht über studieren!‘ Wollen wir?”

Und so probierten sie. Gregor legte als Erster die Hand auf den Stein und dachte alle möglichen Befehle. Ergebnislos versuchten es auch Arne, dann Raik. Selbst Loki probierte sein Glück. Olin, der bei solchen Aktionen sonst immer vorneweg war, hielt sich zurück. Sogar Ribo musste vor ihm sein Glück probieren.

Loki, dem dieses Verhalten besonders aufgefallen war, fragte ihn: „Was ist mit dir, Olin?”

„Nichts, nichts! Ich habe nur so eine komische Ahnung, die ich aber nicht beschreiben kann. Ribo hat doch gesagt ‚Nachkommen des Olin‘. Ich bin doch ein Olin. Wer weiß, was geschieht, wenn ich die Hand auflege?”

„Das werden wir sehen. Und ich garantiere dir, du öffnest die Tür. Ich habe nämlich auch solch eine Ahnung.” Gregor schubste seinen Freund zur Wand.

Zögernd legte Olin die Hand auf die Wand. Nicht nur er war erschrocken, alle sprangen zurück. Diese Wand fuhr mit solch einem Krachen hoch, dass man sich am liebsten die Ohren zugehalten hätte. Gleißendes Licht erhellte eine kleine Höhle. Zum Unterschied zu den anderen Wänden war hier keine Wand glatt. Mitten im Raum stand ein Maschinenmonstrum, das den gesamten Raum ausfüllte.

Olin trat ein, gefolgt von den anderen. Nun erhielten sie Informationen. Und was für Informationen: „Diese Zeitmaschine wurde von mir, dem Olin, gebaut. Ich bin ein Zwerg, so nennen uns die Menschen. Geboren wurde ich im Jahr des Herrschaftsantritts des römischen Kaisers Augustus. Als die Zeitmaschine vollendet war, habe ich den GROSSEN RAT gebeten, diese Maschine nicht zu nutzen, sondern sie für die Zukunft zu verstecken. Ich habe den Oberen unseres Reiches erklärt, dass ich mit dieser Maschine einem Gott gleich käme. So rief man mich spöttisch Odin, denn so nannten die Germanen ihren mächtigsten Gott. Ich wollte aber keinem Gott ähnlich sein, auch nicht im Namen und im Spott. So nannte ich mich zukünftig Olin, der Erfinder. Diese Maschine aber wurde hinter diesem Stein versiegelt. Damit nur ein Wissender die Tür zur Zeitmaschine öffnen kann, habe ich den ‚Schlüssel‘ zum Öffnen nur in die Hände eines meiner Nachkommen gelegt. Nur ein OLIN kann diese Maschine erwecken. Doch du OLIN, der du diese Tür öffnen konntest, handle klug!

Damit nicht durch Zufall dieses Geheimnis bekannt wird, haben außerdem die Oberen beschlossen, dass nur mit der einstimmigen Erlaubnis aller Oberen des GROSSEN RATES ein Zwerg zukünftig das Archiv betreten darf. Damit auch einer meiner Nachkommen nicht durch Zufall diese Tür öffnen kann, wurde festgelegt, dass kein Olin jemals Archivar werden durfte. Nachdem der Teil der Höhle versiegelt war, kroch der ‚Schleier des Vergessens‘ durch die Höhle. Kein Zwerg erinnerte sich an das, was ein OLIN schuf. Das war mein Vermächtnis. Nun OLIN, Nachfahre eines großen Zwergengeschlechtes, handle klug! Du bist derjenige, den ich auserwählt habe.”

Die Jungs schauten wie gebannt auf ihren Freund Olin. Der, vor Aufregung hochrot im Gesicht, fühlte sich in dieser Rolle gar nicht wohl. Er soll der Nachfahre eines wahren Erfindergenies sein? Sein Urahn war bestimmt ein Genie, aber er? Wieso konnte er diese geheimnisvolle Tür öffnen, nur er - kein anderer? Was ist das überhaupt - eine Zeitmaschine? Was macht sie? Was kann sie? Ihn beschlich mit einem Male Angst. Sein Vorfahre hebt ihn, Olin Zwostein, in den Rang eines Gottes. Wie nannten die Zwerge damals spöttisch seinen Urahn - Odin? Nein, Olin Zwostein, Enkel des großen Erfinders Olin, wollte keinem Gott ähnlich sein. Jedenfalls heute nicht.

Seine Freunde schauten ihn an. Alle seine Gedanken hatte ihnen die Zipfelmütze übertragen. Gregor sprach zu ihm: „Quäle dich nicht, Olin. Wir gehen jetzt und schlafen darüber. Morgen können wir entscheiden, ob du die Maschine erwecken willst. Einverstanden?”

Und Olin nickte dankbar.

 

12. Kapitel

……………..

 

Lange schwatzten die Jungs noch vor dem Schlafen. Alles Mögliche und Unmögliche wurde in Betracht gezogen, als Loki meinte, man sollte sich doch Gedanken machen, was solch eine Zeitmaschine könnte. Er, Loki, habe Angst vor einer Maschine, die ihrem Erfinder schon damals selbst Angst gemacht habe. Es war schon weit nach Mitternacht, als das erste leise Schnarchen verkündete, dass die Natur ihr Recht verlangte.

Unausgeschlafen, aber voller Tatendrang, starteten die Jungs und ihr Roboter zum Angriff auf ein Geheimnis, dass seit fast 2.000 Jahren keiner außer ihnen kannte.

Die Wand zur Zeitmaschine brauchte Olin nicht mehr öffnen. Sie hatte sich im Gegensatz zu allen anderen geöffneten Wänden nicht von selbst geschlossen.

Nun standen sie vor dem Monstrum und Olin sollte die Maschine befragen. Jetzt hörten die Jungs einen Satz von ihm, den sie so noch nie von ihrem Freund gehört hatten: „Wisst ihr, ich habe Angst.”

„Wir auch, Olin. Deshalb frage erst die Maschine, was sie kann”, antwortete ihm Gregor leise. Olin trat zögernd einen Schritt vor, legte die Hand auf das Monstrum und erstarrte. Keiner der Jungs empfing ein Signal, keine Gedankenverbindung entstand zu Olin. Es war, als seien die Zipfelmützen in ihrer Funktion gelähmt. Ribo stand neben Gregor. Diese Verbindung musste noch existieren, denn Ribo fragte Gregor: „Möchtest du hören, was die Zeitmaschine unserem Freund Olin berichtet?”

„Natürlich, Ribo. Sprich aber laut.”

Und die Jungs hörten nun aus dem Munde des Roboters Dinge, die mit dem Verstand fast nicht zu begreifen waren. Ribo gab die Gedanken zwischen Olin und der Maschine wieder: „Du bist ein Olin, und nur du kannst mich bedienen. Ich beherrsche die Zeit für ein bestimmtes Territorium. Steige auf den Berg über mir und das Gebiet, welches du überblickst, dieses beherrsche ich. Ich kann die Zeit ‚zurückdrehen‘, für einen Tag, für einen Monat, für ein Jahr oder für viele Hundert Jahre. Alles wurde in mir gespeichert, die Geschichte der Natur, also des Steins, des Wassers und der Luft. Gespeichert ist auch die Geschichte der Menschen, ihr Leben und das, was sie geschaffen oder vernichtet haben. Die Zeit ist für dich, Olin, real und trotzdem fremd. Du kannst Betrachter oder Akteur sein, aber immer darfst du eins nicht, Veränderungen in der ANDEREN ZEIT vornehmen. Dann stürzt die ANDERE ZEIT. Denke und befiehl mir und ich, die Zeitmaschine des Olins, ich helfe dir, mich zu beherrschen. Handle aber immer klug, aber du bist klug, denn sonst hättest du mich nicht erwecken können. Hast du noch Fragen, so frage! Willst du dich erproben, so beginne!”

Olin schaute sich verlegen mit hochrotem Kopf zu seinen Freunden um. „Was soll ich noch fragen?”

„Frage, warum dein Urahn diese Maschine erbaut hat?”, riet Arne. Loki flüsterte: „Frage, ob die Zeitmaschine oder die ANDERE ZEIT Menschen töten kann?”

„Und wie man sie wieder abschalten kann und ob dann wieder alles so ist, wie es vorher war?”, rief Raik.

Und Olin befragte die Maschine. Ribo übermittelte wieder die Antwort: „Erbaut wurde ich, weil Olin, der Erfinder, die Geschichte seines kleinen Volkes für die Nachwelt erhalten wollte. Er benutzte eine Technik seiner Vorfahren, der Majokaner, um eine lebendige Chronik zu erhalten. Viele Experimente musste er durchführen, ehe ich geschaffen werden konnte. Nun kann ich mehr als Olin, der Erfinder, es je erhofft hatte. Deshalb, handle klug, Olin! Dies zu deiner zweiten Frage: Menschen werden nicht von Maschinen getötet. Es ist der Mensch, der der Maschine befiehlt zu töten. Ich kann keine Menschen töten, denn noch nie hat ein Zwerg einen Menschen getötet. Auch die ANDERE ZEIT tötet nicht, aber sie verändert und das kann zum Tode führen. Deshalb handle klug und überlege, bevor du in die ANDERE ZEIT eingreift.

Deine dritte Frage beantwortet das Universum: Zeit ist nicht abschaltbar, Zeit kann verändert werden. Zeit kann beeinflusst werden. Schaltest du mich ab, so besteht die ANDERE ZEIT weiter. Du entscheidest, in welcher Zeit du lebst. Deshalb Olin, Nachkomme des Erfinders Olin, handle klug.”

Ribo verstummte. Olin ging zu den Jungs und fragte: „Habt ihr alles verstanden? Ich nicht!”

Und Gregor antwortete für alle: „Wir auch nicht. Dein Urahn hat bestimmt gedacht, dass ein Zwerg Olin vielleicht in einigen Tausend Jahren die Maschine erwecken kann. Aber eins habe ich kapiert: HANDLE KLUG!”

„Heißt das jetzt, dass du nicht die Zeitmaschine anstellen würdest?”, fragte Raik.

„Anstellen kann sie nur Olin, kein anderer. Und klug handeln heißt nicht, etwas Neues nicht auszuprobieren. So sehe ich das. Wir müssen nur sehr vorsichtig sein.”

„Du willst wirklich?” Loki bekam riesengroße ängstliche Augen. „Wirklich?”

„Wenn ihr auch wollt, ich möchte schon. Stimmen wir ab.” Gregor blickte seine Kameraden an. Raik und Arne hoben sofort die Hand. Lokis Hand kam ganz langsam nach oben. Nur Olin verharrte. „Und du?”, fragte ihn Gregor.

„Vor einer solchen Entscheidung habe ich noch nie gestanden. Ihr wisst doch, was die Maschine sagte: Nur ich kann die Maschine bedienen.”

Olin bekam Hilfe von einer Seite, die keiner der Freunde erwartet hatte. Ribo sagte nämlich: „Ich kann dir helfen, Olin. Ich verstehe die Zeitmaschine. Wir beide haben miteinander gesprochen.”

„Wie, du sprichst mit der Maschine?” Olin fuhr herum.

Ribo machte jetzt mal wieder deutlich, dass er vom großen Erfinder Olin geschaffen wurde, und dass er von seinem Herrn den Befehl erhalten habe, die Jungs zu beschützen. Deshalb habe er bereits mit der Maschine gesprochen und die Maschine habe ihm gesagt, dass er dem Olin helfen dürfe.

Ribos Antwort ärgerte nun Olin wieder so, dass er wütend erklärte: „Starten wir das Ding.”

Während Olin verärgert war, dass sein Großvater den „dämlichen” Roboter so programmiert hatte, staunten die Jungs über Ribos Aussage.

„Du sprichst mit der Maschine?”, fragte Gregor.

„Ja, wir können uns sehr gut unterhalten. Sie ist äußerst gebildet. Ich werde viel von ihr lernen können.”

„Das ist nun genauso verrückt - wie diese Zeitmaschine.” Arne griff sich an den Kopf. „Ein Roboter erhält Unterricht von einer Maschine. So etwas kann man niemandem erzählen. Das glaubt uns keiner! All das hier, dieses, was wir erleben - das glaubt uns keiner. Das ist der Wahnsinn!”

„Wir dürfen das auch niemandem erzählen, Arne”, antwortete ihm sehr ernst Gregor. „Das hier”, Gregor zeigte auf die Zeitmaschine, „und die ganze Höhle, alles muss unser Geheimnis bleiben.”

„Ja, du hast Recht, Gregor!” Raik sprach dies sehr nachdenklich. Auch die anderen nickten.

„Wir müssen schwören, dass wir dieses Geheimnis um die Zwergenhöhle bewahren. Wir sprechen heute Abend darüber. Ich habe mal eine Geschichte von einem Geheimbund gelesen, vielleicht können wir das anwenden.” Gregor blickte sich um. Dann ergänzte er: „Auch Ribo muss dann schwören.”

Als Ribo seinen Namen hörte, fragte er: „Was ist das ‚schwören‘?”

Und Gregor antwortete ihm: „Du schwörst, niemandem ein Geheimnis zu verraten. Sprichst du den Schwur, wirst du sterben. Aam... Du wirst abgeschaltet und auseinander gebaut. Hast du das verstanden, Ribo?”

„Aber ja, Gregor. Ich notiere den Begriff in meinem Wortspeicher. Ich werde auch schwören, aber dieser Schwur ist für einen Roboter grausam.”

„Warum grausam, Ribo?”, fragte Loki erstaunt. „Das kann dir doch egal sein?”

„O, nein!”, antwortete ihm der Roboter. „Ich bin gern bei euch. Es gefällt mir, mit der Zeitmaschine zu sprechen und ihr großes Wissen zu erhalten. Ich nehme so viele Informationen auf, dass meine Speicher gefüllt werden. Bin ich abgeschaltet, dann bin ich tot. Das ist doch das richtige Wort dafür?”

„Ja, Ribo. Das ist das richtige Wort. Aber du brauchst keine Angst zu haben, denn du kannst doch ein Geheimnis bewahren. Stimmt doch?” Gregor schaute Ribo an und der nickte.

„Sag mal, ist dir aufgefallen, dass du dem Roboter ‚Angst haben‘ bescheinigt hast, Gregor?”, fragte Raik. Und er fügte leise dazu: „Hier unten ist alles anders. Wir betrachten Ribo nicht mehr als Maschine, sondern als, als ...  - als Maschine mit einer Seele.”

Gregor beantwortete Raiks Frage nur mit einem Kopfnicken.

Olin hatte sich an diesem Gespräch nicht beteiligt. Er schlich um die Zeitmaschine herum, legte seine Hände immer wieder auf die verschiedensten Teile der Maschine und murmelte unverständlich vor sich hin. Keiner der Jungs empfing ein Signal, einen „Gedankenpfad” oder verstand die Gedanken des Olins. Es schien, ihr Freund wurde EINS mit der Maschine. Keiner der Jungs, Olin sowieso nicht, konnte hinterher sagen, wie lange dies gedauert hatte. Plötzlich verharrte Olin, drehte sich um und jetzt verstanden ihn die anderen: „Wenn ihr wollt, zeigt uns die Maschine, was sie kann. Wollen wir?”

Die Jungs nickten. Gregor riet: „Aber nur vorsichtig und ohne Gefahr?”

„Ihr könnt euch darauf verlassen. Ihr werdet staunen, was mein Urahn geschaffen hat!”, antwortete Olin und legte beide Hände auf die Zeitmaschine.

Außer einem leichten Vibrieren veränderte sich nichts. „War das alles?”, fragte Raik enttäuscht.

„Kommt, ihr werdet schon sehen.” Olin schmunzelte in Vorfreude auf die dummen Gesichter seiner Freunde.

Er führte sie in den Hauptgang der Höhle. Dort verharrte er. Jetzt schrie Loki: „Dort sind Zwerge!” Und wirklich, sie sahen sechs Personen den Höhlengang entlang gehen. Fünf von ihnen trugen Zipfelmützen und die roten Umhänge. Erschrocken versteckten sich die Jungs in einem Nebengang, den sie verdunkelten. Olin war auch in den dunklen Gang getreten und zog auch Ribo mit ins Dunkle. Jetzt hörten die Jungs über die Gedankenverbindung Olin sagen: „Jetzt keine Gespräche, keine Schreie und auch keine Verbindungen über die Gedanken. Am besten, wir nehmen die Mützen ab. Ribo, du schläfst!” Gehorsam nahmen die Jungs die Zipfelmützen ab und Ribo klappte die Augen herunter. Das war äußerlich das Zeichen, dass er sich selbst abgeschaltet hat.

Jetzt kamen die Zwerge ins Gesichtsfeld. Loki hielt sich erschrocken die Hand vor dem Mund, denn sonst hätte er herausgeschrien: Das sind doch wir!

Den anderen erging es nicht besser.

„Wie geht das, Olin?”, fragte Gregor als Olin Entwarnung gegeben hatte. Und Olin erklärte auf dem Weg zurück zur Zeitmaschine: „Die Zeitmaschine hat den gestrigen Tag geschaffen. Ich habe sie so eingestellt, dass wir uns sehen konnten. So können wir in der Zeit zurückgehen, bis zu der Zeit, in der mein Urahn diese Maschine startete. Sie hat alles aufgezeichnet.”

„Das haben wir doch schon vorher erfahren, Olin. Aber wir sahen so echt aus, gar nicht wie ein Film, der abläuft.”

„Raik, wir waren real - wir waren Wirklichkeit! Wir hätten hingehen können, ich hätte mir selbst die Hand geben und mit mir selbst reden können. Dieser andere Olin war so, wie ich jetzt vor dir stehe. Das ist das, wo mein Urahn meinte, er käme einem Gott gleich und Angst vor seinem eigenen Können bekam. Deshalb die Versiegelung der Zeitmaschine im Stein, deshalb meinte mein Vorfahre, dass seine Zeit nicht reif wäre - für diese Maschine und dem Wissen, das er dort verbaut hat.”

„Also, ich rekapituliere: Wir sind in einer anderen Zeit so wirklich vorhanden wie jetzt! Wir können die Zeit bestimmen, in der wir sein möchten. Dies gilt, wenn ich mich recht erinnere, für das Gebiet, das vom Gipfel über der Höhle zu sehen ist.”

Gregor schaute erwartungsvoll Olin an. Der nickte und sagte lächelnd: „Du kannst sehen, wie dein Vater mit seinem Bruder Martin und Opa Klein in die Zwergenhöhle gekommen sind, wie sie aufgenommen wurden und alles andere auch. Du könntest auch mit deinem Vater sprechen. Er würde dich als einen etwas zu groß geratenen Zwerg behandeln. Das und vieles andere ist möglich.”

Olin hatte sehr aufmerksame Zuhörer. Loki konnte kaum erwarten, seine Frage zu stellen. Jetzt plapperte er drauflos: „Ich könnte sehen, wie mein Vater zum Jokanen wurde?” Olin bestätigte ihm das.

„Könnten wir auch sehen, wie draußen vor der Höhle die Erdoberfläche vor 500 Jahren ausgesehen hat?”, fragte Arne.

„Alles, was vom Berg über der Höhle zu sehen ist! Wie heißt denn überhaupt der Berg? Weiß das jemand von euch?” Olin schaute seine Freunde an. Alle zuckten verneinend mit den Schultern.

Ribo prahlte: „Ich weiß es. Mein Orientierungsprogramm teilt mir mit, dass dies der Geistberg, auch im Volksmund Geisterberg genannt, ist.”

„Ob die Menschen damals, als sie diesem Berg den Namen gegeben hatten, unsere Vorfahren meinten? Was denkst du Loki?” Olin feixte.

Loki nickte und ernsthaft antwortete er: „Bestimmt! Stellt euch vor, da ist ein kleiner Mensch, ein Zwerg. Du siehst den Zwerg, der nimmt seinen Tarnumhang und weg ist er. Denkst du da nicht an Geister?!”

Sie standen nun schon längst wieder vor der Zeitmaschine. Olin legte wieder beide Hände auf die Maschine. Das leichte Vibrieren hörte auf.

„Wir können gehen”, erklärte er. Noch auf dem Weg zum Alten Gehöft, wurde ein Problem erörtert, dass aber Olin so recht nicht beantworten konnte. Was war mit diesem „Du kannst Betrachter oder Akteur sein, aber immer darfst du eins nicht, Veränderungen in der ANDEREN ZEIT vornehmen. Dann stürzt die ANDERE ZEIT“.

Olin meinte, das könnte doch nur so gemeint sein, dass in die andere Zeit nicht eingegriffen werden darf. So jedenfalls habe er die Maschine verstanden. Aber was dann geschehe, wenn sie zum Beispiel Veränderungen vornehmen, das weiß er auch nicht. Also blieb dies wohl ein gefährliches Geheimnis der Zeitmaschine.

 

13. Kapitel

……………….

 

Das Abendbrot schmeckte allen Jungs und sie putzten alle Schüsseln leer. Großmutter Klein war mit ihren Gästen zufrieden. Nicht so ihr Mann Alfred. Dem Großvater Klein war Einiges nicht geheuer. So fragte er sich, was die Jungs den ganzen Tag so trieben, wo sie sich aufhielten und warum der Roboter ihm nichts erzählen wollte.

Auch heute beantwortete der Roboter seine Fragen lakonisch wie jeden Tag: „Wir waren im Wald.” Damit gab Großvater sich dann zufrieden. Stutzig wurde er, als er Gregor am Abend, er glaubte, die Jungs schlafen schon lange, an seinem Schreibtisch erwischte. Sein Urenkel kramte die Fächer durch und suchte Papier. Dann schrieb er: „Der Schwur des Geheimbundes.“ Großvater hüstelte und Gregor fuhr erschrocken herum.

„Na, erwischt?”, fragte sein Urgroßvater und Gregor lief rot im Gesicht an. „Na, zeig mal her!” Opa Klein nahm den Zettel und las laut: „Der Schwur des Geheimbundes. Und wie geht der Schwur, Gregor?”

„Soweit bin ich noch nicht, Opa”, antwortete Gregor. „Auch weiß ich nicht genau, was da alles hinein muss.”

„Also, erst einmal braucht der Geheimbund einen Namen. Dann musst du schreiben, warum ihr schwören wollt und welche Strafe der bekommt, der den Schwur bricht. Und jeder muss den Schwur am besten mit eigenem Blut unterschreiben.”

Großvater Klein lächelte. Dann fügte er hinzu: „Weißt du Gregor, in meiner Kindheit hatten wir auch einen Geheimbund gegründet. Meine besten Freunde waren in diesem Bund. Und wir haben zusammengehalten. Als wir dann älter waren, ging jeder seinen eigenen Weg. Ich habe dann nichts mehr von ihnen gehört - aber so ist das Leben.”

Gregor hatte genug Informationen erhalten. Er machte, dass er wieder ins Glashaus kam, denn wenn sein Uropa von seiner Kindheit zu erzählen begann, konnte das sehr lange dauern.

Seine Freunde erwarteten ihn schon mit Ungeduld. Nun wurde als Erstes ein Namen gesucht. Die verrücktesten Vorschläge wurden gemacht. Am vernünftigsten war noch „Zwergenhöhle”, auch „Hüter des Zwergenschatzes”. Loki machte dann einen Vorschlag, der von allen ohne Zögern angenommen wurde. Loki sagte: „Alle Jokanen waren Zwerge. Sie wurden zu Menschen und leben heute als Menschen auf der Erde. Nehmen wir doch die ersten Buchstaben von Menschen und Jokanen und setzen sie zusammen. Unser Geheimbund sollte „Menjok” heißen.”

„Das ist gut, aber nicht alle von uns sind Nachkommen der Jokanen”, meinte Raik.

„Das ist auch nicht so wichtig, Raik”, antwortete Gregor. „Ich bin in der Zwergenhöhle geboren, Arnes Mutter ist eine Jokanin und deine Eltern waren immer Freunde der Zwerge und Jokanen und haben geholfen, dass sie auf der Erde leben konnten.”

Nachdem der Namen gefunden war, formulierte sie den Text. Weit nach Mitternacht war es, ehe sie den Schwur der Mitglieder des Geheimbundes Menjok formuliert hatten.

Routine war es für die Jungs bereits, die Zwergenhöhle zu öffnen. Gleich hinter der Wand lagen dann ihre Zipfelmützen und Umhänge. Auch das Erhellen der Höhlenabschnitte stellte kein Problem mehr dar. Fast automatisch erstrahlte ein Höhlengang nach dem anderen. Auch konnten die Jungs bereits die einzelnen Höhlenabschnitte unterscheiden. Olin formulierte das so: „Ich komme mir vor, als seien wir zu Hause.”

Im großen Saal stellten sie sich vor dem steinernen Tisch. Gregor holte ein Blatt Papier vor. Ehe er begann, den Schwur vorzulesen, sagte er: „Gestern Abend haben wir beschlossen, einen Anführer unseres Geheimbundes zu wählen. Jetzt wollen wir es tun. Macht eure Vorschläge.”

Doch keiner rührte sich. „Na los!”, forderte Gregor. Doch seine Freunde grienten nur. Jetzt wurde es Gregor zu bunt: „Als ich gestern Abend gesagt habe, ein Geheimbund braucht auch einen Anführer, da habt ihr alle zustimmend genickt. Ist doch richtig oder?”

„Da hast du recht”, sagte Olin grienend. „Wir haben aber schon gestern Abend unsere Wahl getroffen. Wir haben sogar einen Namen für unseren Anführer gefunden. Er soll Nano heißen. Damit wollen wir an die Zwerge erinnern.”

„Prima und warum schließt ihr mich aus. Das finde ich gar nicht gut.” Gregor war richtig sauer. Loki versuchte, seinen Freund zu trösten. „Gregor, du bist doch unser Nano.”

Alle strahlten jetzt ihren Nano an. „Na, wie haben wir das gemacht?”, fragte Raik. Doch ehe Gregor antworten konnte, drängelte Arne: „Los Gregor, jetzt zum Schwur!”

Mit einem Einwand hatte nun aber keiner gerechnet. Ihr Roboter machte mit einer Bemerkung auf sich aufmerksam: „Mich hat keiner gefragt. Ich habe nicht gewählt. Warum habt ihr mich nicht gefragt? Wir sind doch Freunde!”

Olin drückte dem Roboter sein Bedauern aus und erklärte, dass das nicht mehr vorkommen werde. Nun hörte Ribo auf zu schmollen und Gregor konnte den Schwur vortragen. Er bemühte sich, recht feierlich zu sprechen. Zu seinem eigenen Erstaunen merkte er, dass ihm dies auch gelang. Seine Freunde und der Roboter standen um ihn herum, hatten sich an die Hände gefasst und hörten den Schwur:

„Wir, die Entdecker der Zwergenhöhle, Nachfahren der Zwerge und ihrer Menschenfreunde, schwören feierlich, niemandem unser Geheimnis zu verraten. Wir wollen die Schätze der Zwerge vor den Menschen verbergen. Wir wollen ihr Wissen, ihre Technik und ihre besonderen Fähigkeiten nur dann der Menschheit kund und zu wissen tun, wenn sie auch dafür reif ist. Wir schwören, dieses Wissen, das wir uns in der Zwergenhöhle aneignen, nur dazu zu verwenden, um Gutes zu tun. Wir werden niemandem mit diesem Wissen schaden. Bricht einer diesen Schwur, so soll ihn die Verachtung aller treffen. Keiner wird mehr mit ihm sprechen, keiner die Hand geben. Als Ausgestoßener unseres Geheimbundes ‚Menjok‘ wird er für die anderen Mitglieder unbekannt sein. Dies schwören wir und bekräftigen unseren Schwur mit unserem Blut und unserer Unterschrift.”

Jetzt trat einer nach dem anderen zum Tisch, legte die rechte Hand auf das Kästchen und sagte: „Ich schwöre!”

Dann unterschrieb er den Schwur. Gregor piekte jedem mit einer Nadel in den Zeigefinger. Der Blutstropfen wurde neben der Unterschrift gedrückt, sodass der Fingerabdruck erkennbar war. Auch Ribo schwor, doch auf das Unterschreiben und den Fingerabdruck mit Blut musste man verzichten, was Ribo richtig traurig machte. Olin hatte einen Einfall: „Seine Gelenke müssen doch auch geschmiert werden. Das könnten wir als echten Ersatz nehmen.”

Und so geschah es. Gregor schrieb: „Ribo, unser Freund und Roboter.“ Ribo drückte einen Öltropfen aus der Schmiervorrichtung und so prangte ein Ölfleck auf dem Dokument.

Gregor legte das Schriftstück neben das Kästchen. „Dort lassen wir es liegen, bis die Menschheit von den Zwergen erfährt. Einverstanden?” Alle nickten zustimmend.

Dies war ihr letzter Tag in der Zwergenhöhle. Heute Nachmittag sollte es zurück nach Jokanenheim gehen. Als sie die Höhle verlassen wollten, drehte sich Olin um und schrie: „Wir kommen wieder!” Und seine Stimme widerhallte an den Wänden: „Wieder! Wieder, Wieder!”

Im Alten Gehöft erwartete sie Oma Klein zum Mittagessen. Jeder Junge bekam heute seine Lieblingsspeise vorgesetzt. Der Tisch brach fast unter der Last der Schüsseln und Teller. Irgendwie war aber den Jungs der Abschied von ihrer Höhle auf den „Magen geschlagen”. Nur wenig wurde auf die Teller von all den Köstlichkeiten gelegt. Doch der Appetit kam wieder mit dem Essen. Ratzeputzeleer waren die Schüsseln, sodass Oma strahlte und Großvater feixend knurrte: „Ihr esst uns ja die Haare vom Kopf.”

Der Weg nach Jokanenheim fiel schwer. Die Bäuche waren zu gut gefüllt. So trödelte man, dass selbst Ribo sich über das geringe Tempo verwunderte. Er eilte, vollgepackt mit Gepäckstücken, den Jungs dann weit voraus.

„Mein Opa darf nicht sehen, dass Ribo unser Gepäckträger ist!”, schrie Olin plötzlich und trat mächtig in die Pedale. Die anderen folgten ihm außer Atem. Noch vor dem Städtchen holten sie den Roboter ein.

„Warum nehmt ihr mir das Gepäck ab? Wir sind doch Freunde! Ich helfe euch doch gern!”

„Eben deshalb”, antwortete Gregor. Sich an seine Kameraden wendend, erklärte er: „In Zukunft wird jeder sein Zeug selber tragen. Ribo ist doch wirklich unser Freund und kein Lakai.” Ein bisschen verlegen aber zustimmend nickten die anderen.

Der Weg durch das Städtchen glich der Begrüßung von Weltreisenden. Da wurde ein Fenster geöffnet und eine Frau fragte: „War euer Urlaub bei Oma und Opa Klein schön?” Im Vorgarten pusselte der Apotheker. Er blickte auf und fragte: „Habt ihr auch nach den Heilkräutern Ausschau gehalten?”

Und auf Arnes Antwort, dass sie kein einziges Kraut gesehen hätten, schüttelte er nur verständnislos den Kopf und murmelte: „Wo waren die Bengels denn? Kein Kräutlein gesehen? Das kann doch gar nicht sein?”

Ein „Dreikäsehoch” lief neben den Jungs her und bettelte: „Kann ich auch beim nächsten Mal Urlaub im Alten Gehöft machen? Ihr nehmt mich doch mit? Bitte! Bitte!”

Zuerst ging es zu Olins Elternhaus. Dort erwartete sie schon Großvater Olin mit lächelndem Gesicht. Zuerst prüfte er Ribo, ob er nicht beschädigt sei, dann fragte er: „Und Robi Zwo, haben dich die Jungs gut behandelt?”

Und der Roboter strahlte, als er antwortete: „Ja, wir sind Freunde!”

„Na dann bin ich ja beruhigt”, knurrte Großvater Olin. Aber dann fiel ihm noch etwas ein und er fragte erneut feixend den Roboter: „Sag, Robi Zwo, hast du Olin Zwo auch tüchtig genervt?”

Und mit dieser Antwort hatte nun keiner der Jungs gerechnet: „Ich habe immer von meinem Herrn, dem großen Erfinder Olin, gesprochen. Aber Olin hat nicht das entscheidende Wort gesagt. Soll ich jetzt aufhören, dich als meinen Herrn und großen Erfinder zu bezeichnen?”

„Jetzt kannst du damit aufhören, Ribo Zwo”, antwortete ihm Großvater Olin lachend.

„Opa, du hast den Roboter extra so programmiert, dass er uns mit seinem saublöden Spruch auf die Nerven geht?”, fragte sein Enkel Olin verärgert.

Und feixend erklärte sein Opa: „Aber ja, ich habe dir sogar das entscheidende Wort gesagt, mit dem du den Roboter zum Schweigen bringst. Du hattest ja keine Geduld, mir zuzuhören.”

Die Jungs sahen, wie ihr Freund Olin verlegen wegguckte und einen roten Kopf bekam. Er stotterte: „Das wird nicht wieder vorkommen, Opa! Versprochen!”

Während Großvater Olin mit Ribo ins Haus ging, klärte Olin seine Freunde auf: „Bei der letzten Einweisung war ich sehr ungeduldig und habe kaum meinem Großvater zugehört. Jetzt ist es mir wieder eingefallen. Er hatte gesagt ‚Wenn der Roboter Dummheiten quatscht, so stell dich vor ihm hin und sage: Simsalabim!‘”

Und grienend fügte er hinzu: „So ist mein Opa!”

Nun verabschiedeten sich die Jungs. Wie verabredet sollten Arne und Gregor ihre Urgroßeltern beschwatzen und für die nächsten Ferien wieder die Zustimmung für einen Aufenthalt erwirken. Gregor ermahnte noch alle: „Denkt an unseren Schwur!” Aber die anderen winkten nur ab: „Ist doch klar Gregor!”

Großvater Olin gab sich mit dieser ersten kurzen Befragung seines Roboters nicht zufrieden. In der Werkstatt versuchte er, mehr zu erfahren als nur „Ribo ist als Freund behandelt worden“. Besonders interessierte ihn auch, was der Roboter in dieser Zeit gelernt hatte, auch wie Robi Zwos emotionale Intelligenz entwickelt wurde. Und der erfahrene Tüftler und das Erfindergenie Olin Zwostein staunte nicht schlecht über seine Schöpfung. Dieser Roboter wusste mit einem Male Dinge, die er niemals von den Jungs hätte lernen können. Er sprach über technologische Prozesse, die Großvater Olin völlig unbekannt waren, ihn aber reizten, dieses und noch mehr von diesem wohl allwissend gewordenen Roboter zu erfahren. In den nächsten Tagen führte Olin viele Gespräche mit Robi Zwo. Hätte ein Außenstehender die beiden gesehen, hätte er gedacht, dass dieser grauhaarige alte Mann Unterricht bei einem 14-jährigen nahm. Auch was Olins neue emotionale Intelligenz betraf, übertraf die reiche Gefühlswelt des Roboters alles, was sich Olin je erhofft hatte.

„Was habe ich nur geschaffen!”, murmelte er des Öfteren. Als er erschrocken über die Leistungen des Roboters seine Freunde Teel und Marg zu sich bat und ihnen seinen Robi Zwo vorführte, waren die hellauf begeistert und gratulierten ihm zu diesem Riesenerfolg. Teel meinte, dass Olin seinen Roboter der internationalen Fachwelt vorführen sollte. Doch Olin Zwostein winkte erschrocken ab: „Um Himmelswillen, bloß nicht! Eher nehme ich den Roboter wieder auseinander!” Und mit sehr großem Erstaunen hörten die Drei jetzt Robi Zwos: „Bitte nicht auseinandernehmen! Ich bin gern bei Menschen. Mir fehlen auch meine Freunde! Bitte zerstöre mich nicht, Olin!”

„Das ist unwahrscheinlich, Olin! Solch ein Roboter ist keine Maschine mehr! Wie können wir sie nennen? Biotec, Biomasch oder Maschinenmensch?”, äußerte Marg.

Aber Robi Zwo antwortete ihm: „Meine Freunde gaben mir den Namen ‚Ribo‘. Nennt mich so!”

„Einverstanden, Ribo!”, sagte Olin, der immer noch über seine eigene Schöpfung staunte. „Ribo passt gut zu dir.”

Dann winkte er seinen beiden Freunden, ihm in den Nebenraum zu folgen. Dort, ohne Roboter, erklärte Olin: „Gefühlsmäßig ist Robi, ich meine Ribo, auf der Stufe eines 14-jährigen. Er hat viel von den Jungs angenommen und sie haben ihn zum Schluss nicht mehr als Robotermaschine gesehen, sondern als Freund und Spielkamerad. So etwas hatte ich mit diesem Test erwartet, aber niemals in dieser Fülle der Gefühlsausbrüche. Ribo denkt und fühlt wie ein ... Ja, ich muss es sagen. Ribo denkt und fühlt wie ein Mensch!” Und leise fügte er hinzu: „Wie ein äußerst wissender Mensch!”

 

Hallo, liebe Leser! Keine Sorge, die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Die Freunde hatten mich doch mit ihrem Roboter aufgesucht und ich habe ihnen mein Manuskript zum Lesen gegeben.

„Im Prinzip war es so”, sagte mir Gregor. Olin meinte zwar, dass er manchmal in meiner Erzählung nicht gut weggekommen sei, aber wahrscheinlich hätte ich schon recht. Er habe in diesen wenigen Tagen in der Höhle sehr viel gelernt und wurde jetzt seinem Großvater mit seinem Wissensdrang unheimlich.

„Aber es macht mir enorm viel Spaß, meinem Großvater Fragen zu stellen, die er mir nur zögernd oder gar nicht beantworten kann”, erklärte mir dann Olin lachend.

Loki schaute sehr traurig. Als ich ihn fragte, meinte er: „Sie haben mich ja zu einem Angsthasen gemacht!”

Ich konnte ihn aber trösten und verwies auf seinen Mut, den er im zweiten Teil unserer Geschichte zeigen wird. Hatte doch dieser ängstliche und vorsichtige Loki mit seinem Mut alle Jungs gerettet. Das war im Jahr des Herrn 1514. Aber ihr könnt ja selbst lesen. Sonst verrate ich jetzt zu viel.

Arne stellte mir dann eine Frage, die ich gar nicht beantworten konnte. „Wenn das Buch gedruckt wird, glauben die Menschen dann an die Zwergenhöhle und ihren Geheimnissen oder lesen sie es als Fantasy-Abenteuer?”

Was soll ich auf diese Frage sagen? Was meint ihr, meine lieben Leseratten: „Glaubt ihr, dass die Geschichte wahr ist?!”

Raik und Gregor waren der Meinung, dass es gut sei, wenn die Leser dies als Fantasyprodukt betrachten.

„Noch können wir das Geheimnis nicht lüften”, kommentierte Gregor. „Wir aber haben unsere Erlebnisse ‚Schwarz auf Weiß‘!”

Ach ja, eins muss ich noch dazufügen: Ich wurde Mitglied im Geheimbund ‚Menjok‘.

Gregor lud mich ins Alte Gehöft ein. Dort stellte er mich seinen Urgroßeltern vor. Großvater Klein sagte: „Sagen Sie mal, kennen wir uns? Ihr Gesicht - ich könnte schwören, wir sind uns schon mal begegnet.”

Natürlich hatte Großvater Klein recht. Nur mein Gedächtnis war durch die Majokaner genau so verändert worden wie seins. Nur aus meinen Büchern wusste ich, dass ich mit ihm befreundet war. So gab ich Großvater nur zur Antwort: „Ach Herr Klein, mit solch einem Gesicht, wie ich es habe, laufen viele herum.”

Der Spaziergang, den Gregor mit mir unternahm, führte uns zur Höhle. Und dort warteten schon die anderen, auch Ribo, der Roboter. Ich fand in der Höhle alles so vor, wie ihr es gelesen habt. Auf dem steinernen Tisch stand das sprechende Kästchen und daneben lag das Papier mit dem Schwur. Ich setzte meinen Namen darunter und mein blutiger Fingerabdruck prangt nun unter Ribos Ölfleck.

Aber jetzt habe ich euch genug mit mir gelangweilt. Viel interessanter als dieser Bericht ist nämlich der zweite Teil des Buches. Die Jungs haben nämlich wieder die Zeitmaschine ausprobiert und das mehrfach. Lest, welch verrückte Dinge da alle geschehen sind!

Die nächsten beiden Kapitel des Buches "Der Geheimbund Menjok" werden jeweils (spätestens) am Sonnabend eingestellt.