Geschichten für Kinder

Mühlengeschichten II

===================

 

Wie der Kobold Huck zu seinem Mühlenrad kam!

----------------------------------------------------

von Joachim Größer (2008)

 

In dem kleinen Orte, mitten im großen Waldgebirge, steht das Gasthaus „Zur Mühle“. Der Wirt, Peter wird er gerufen, und seine Ehefrau Sophie bieten allen Gästen ein schmackhaftes Essen, einen guten Tropfen Wein und ein weiches Bett zum Nächtigen. So fürsorglich sie mit den Gästen umgehen und um deren leibliches Wohl besorgt sind, so hart handeln sie gegenüber Huck, dem Kobold. Obwohl der schon seit vielen Jahren Heimstatt in diesem Anwesen gefunden hat und als Mühlenkobold das „Klack, klack, klack!“ des Mühlenrades zu seinem Wohlbefinden braucht, wie der Wirt auch nicht ohne Gäste leben kann, verweigert der Wirt doch hartnäckig den Aufbau eines Mühlenrades. Dieses kann man dem Wirt noch nicht einmal anhängig machen, da er ja nichts vom Kobold Huck weiß. Aber er könnte ja, da das Gasthaus ja früher einst eine Mühle und erst viel später ein Gasthaus war, wieder ein Mühlenrad erstellen, sodass der Kobold wieder in Ruhe beim „Klapp, klapp, klapp!“ oder „Klack, klack, klack!“ sein Schläfchen machen könnte.

„Oh Wirt!“, murrte der Kobold Huck. „Du kochst so gut und ich kann täglich in deiner Küche von den schmackhaftesten Speisen naschen. Doch warum baust du mir kein Mühlenrad? Es braucht ja auch nur ein kleines sein!“

So klagte der Kobold - und dies schon seit so vielen Jahren. Ein einziges Mal, aber wirklich nur ein einziges Mal, überlegte Huck, ob er das Gasthaus verlassen und in der großen, weiten Welt sein Glück suchen sollte. Aber schnell verwarf er diesen Gedanken, denn wenn er an die Pasteten, an die süßen Leckereien, an den saftigen Schweinebraten dachte, dann lief ihm im Munde die Spucke zusammen. Und dann hatte er sich auch an den Äppelwoi gewöhnt, den der alte Wirt Johann hervorragend aufsetzen konnte. Nein, eine solch gute Wirtschaft verlässt man nicht. Aber Kobold Huck wäre kein Kobold, wenn ihm nichts einfallen würde, um doch wieder zu seinem Mühlenrad, und wäre es nur ein sehr kleines und auch nur ein sehr leises „Klack, klack, klack!“ machendes Mühlenrad, zu kommen.

„Ich werde den Wirt mit der Nase draufstoßen! Genau, das werde ich!“, sagte Kobold Huck und machte seinem Koboldnamen alle Ehre. Er schlich sich unsichtbar in die Küche. Dort arbeitete Peter, der Wirt an vielen Torten, die auf dem großen Arbeitstisch standen. Alles war wohl bereitet, nur oben drauf fehlte die Garnierung. Diese Arbeit übernahm Huck. Der Spritzbeutel war mit bester Sahne gefüllt und so erhielten alle Torten ein schönes rundes, manchmal auch etwas eckiges Mühlenrad als Verzierung. Der Wirt, im Moment mit anderer Arbeit beschäftigt, sah nicht, welche Arbeit ihm der Huck abgenommen hatte. Jetzt aber wollte er zum Tische gehen, um die Torten zu vollenden. Doch Huck stellte ihm ein Bein und der Wirt stolperte und fiel mit dem Kopf in eine seiner Torten. „Ich will mein Mühlenrad wieder haben, Wirt! Mein Mühlenrad!“, schrie der Kobold Huck und Peter, der Wirt, vernahm das wohl. So stand er, seine Torte tropfte von Gesicht, und er wusste nicht, was ihm geschehen war. Die alte Wirtin Anna, sie kam in die Küche, um zu helfen, sah ihren Sohn Peter mit der Torte im Gesicht und lachte laut: „Johann, komm mal. Unser Peter ist ein Tortenmonster geworden!“ So hatte der Wirt den Spott der alten Wirtsleute, aber Kobold Huck immer noch kein Mühlenrad.

„Ich will mein Mühlenrad!“, schrie Huck erbost, nachdem er sah, dass die Sache mit der Torte ihm kein Mühlenrad bescherte. Und da unser Huck viel Zeit zum Nachdenken hatte, dachte er, und dachte, und ...

„Der Hund muss mir helfen!“, brabbelte er seine Gedanken laut aus. „Der Hund!“

Der Hund der Wirtsleute hieß Leon. Es war ein braver Hund, der anhänglich war und freundlich zu jedermann. Aber nicht mehr zu Kobold Huck. Der setzte sich nämlich, unsichtbar für Menschen, aber sichtbar für Leon, auf seinen Rücken und rief:

„Huck, huck, huckepack,

Wirtshund Leon hat 'ne Mack.

Wirtshund Leon einen Kreisel macht,

bis ich mein Mühlenrad wieder hab!“

Und Huck trieb Leon an und der lief im Kreis, immer im Kreis. Für Menschen sah es aus, als wollte Leon nach seinem langen Schwanz schnappen. Sie sahen ja nicht den Kobold Huck, wie der auf dem Hund ritt und ihn mit Worten behexte. Sophie, die Wirtin, wollte den Leon beruhigen, sodass er aufhören sollte, nach seinem Schwanze zu schnappen, aber Leon rief weiter. Sophie hörte das Schnaufen des Hundes und dann war da noch eine zornige Stimme, die rief: „Ich will mein Mühlenrad wieder haben, Wirtin! Mein Mühlenrad!“ Die Wirtin konnte sich darauf keinen Reim machen und so vergaß sie schnell den zornigen Ruf. Leon hatte aber den Moment, als Huck seine Forderung herausschrie, genutzt und mit einem kräftigen Zubiss den Kobold von seinem Rücken geholt. Nun hing Huck in dem Maul des Leon und der schüttelte ihn hin und her, kreuz und quer, sodass dem Kobold alle Sinne schwanden. Zu allem Unglück trug Leon den Kobold zu der Wiese am Haus, buddelte ein großes Loch, warf Huck dahinein und, als wäre Kobold Huck ein saftiger Knochen, den es zu verstecken gilt, schaufelte Leon mit seinen kräftigen Pfoten viel Erde auf den kleinen Kobold. Nein, so etwas ist dem Kobold, und er lebte schon viele Hundert Jahre, noch nicht geschehen. Vor Schreck muckste und rührte der sich nicht, es hätte ja sein können, Wirtshund Leon könnte ihn noch einmal so zausen. Doch Leon war der ungekrönte Sieger. Stolz hob er den Kopf und lief, nein er schritt würdevoll zum Hof des Wirtshauses.

Mehrere Tage brauchte Kobold Huck, um sich von diesem Schreck zu erholen. Doch dann wurde er noch wütender. Er brauchte nur an das Mühlenrad zu denken und er wurde dann vor Ärger ganz grün im Gesicht. „Ich will und ich kriege mein Mühlenrad!“, rief er. Und damit die Wirtsleute ihn hören, stellte er sich nachts unsichtbar an ihr Bett, zupfte dem Peter am großen Zeh, und als der die Augen aufschlug, brüllte Huck: „Ich will mein Mühlenrad!“ Doch der Wirt drehte sich nur auf die andere Seite, murmelte etwas, was wie „Ist das heute wieder ein Verkehr auf der Straße!“ klang und schnarchte laut, so laut, dass es dem Huck in den Ohren dröhnte.

In den nächsten Tagen und Wochen geschahen seltsame Dinge. Da hatten alle Türen im Wirtshaus Mühlenräder aufgezeichnet bekommen und Gregor, der Sohn der Wirtsleute musste mehrfach unter Androhung schwerster Strafen, wie eine Woche Computer-Verbot, erklären, dass er nicht der Übeltäter war. Auch Paula wehrte ab, sie sei zu alt für solche Kindereien. Und Jule, die Kleinste der Geschwister? Julchen konnte noch keine Kreise, geschweige denn Mühlenräder, zeichnen – Julchen kritzelte noch. Ärgerlich stand der Wirt in seiner Gaststube, und als sein Vater in die Stube trat, sagte Peter: Vater, weißt ...“ Doch sein Vater unterbrach ihn lächelnd und sagte: „Ich war es nicht!“

Ja, langweilig waren die nächsten Tage und Wochen nicht – im Gasthaus „Zur Mühle“. Da brach im Keller ein Regal und ein Bierfass zerplatzte aus unerklärbaren Gründen. Dann war das Ofenrohr des alten Ofens, auf dem man besondere Leckereien zubereitete, verstopft, sodass der ganze Rauch in die Wirtsstube drang und die Gäste hustend und prustend nach draußen liefen. Die Schlafgäste beschwerten sich über nächtlichen Lärm und ein Kaufmann erklärte doch dem Wirt allen Ernstes, dass er ihm kein Mühlenrad bauen kann. Peter schüttelte nur verwundert den Kopf. Warum sollte der Kaufmann ihm ein Mühlenrad bauen? So verging fast kein Tag, an dem nicht etwas Merkwürdiges geschah. Und Kobold Huck hatte immer noch kein Mühlenrad.

So saß er denn in einer Ecke der alten Mühlenkammer und weinte bitterlich. „Ich bekomme kein Mühlenrad, kein großes und auch kein kleines. Hu, hu, hu! Ich brauche doch mein Mühlenrad, denn ich bin doch ein Mühlenkobold. Hu, hu, hu!“ Und so saß er da und jammerte und die Tränen flossen nur so aus seinen Augen, sodass sich ein Rinnsal bildete. Das Tränenwasser lief unter die Türritze hindurch und auf den Flur. Dort spielte Julchen, das jüngste der Wirtshauskinder. Sie hörte das Jammern und Wehklagen. Sie trappelte zur Tür der Mühlenkammer und konnte sie mit ihren kleinen Händen aufstoßen. Kobold Huck war so in seinen Schmerz vertieft, dass er vergaß, sich unsichtbar zu machen. So sah Julchen den kleinen Mann mit dem grünen Wams und dem kleinen Hütchen. Es verwunderte sie sehr, und da sie sah, dass das Männchen bitterlich weinte, lief sie zu ihm hin, setzte sich daneben und streichelte den Kobold Huck. Huck, der solches schon lange nicht mehr genossen hatte, wehklagte: „Keiner baut mir mein Mühlenrad. Ich kann doch aber ohne das ‚Klack, klack, klack!’ und ‚Klapp, klapp, klapp!’ nicht gut schlafen.“

Gregor, der ältere Bruder, suchte Jule, und als er sie fand, verwunderte er sich sehr. „Julchen, wer ist denn das?“ Und Julchen antwortete ihm in ihrer Kleinkindersprache: „Mann traurig. Mann weint!“ So sah auch der Gregor den Kobold Huck und bald wusste er seinen Namen und kannte den Grund für seine Traurigkeit. „Kannst du mir helfen?“, fragte immer noch heulend Huck den Gregor. „Ich weiß nicht, Huck. Aber ... ich rufe die Paula, die hat immer gute Ideen!“ Und Paula kam und verwunderte sich sehr über das kleine Männchen im grünen Wams und mit dem kleinen Hütchen. Ihr Bruder erzählte rasch alles, was sie wissen musste, um helfen zu können. Doch auch Paula hatte keinen Einfall. So saßen denn Paula, Gregor, Julchen und der Kobold Huck und beratschlagten, wie der Kobold zu einem Mühlenrad, das „Klapp, klapp, klapp!“ und Klack, klack, klack!“ machen kann, kommen könnte. „Ich bau dir eine Mühle, Huck!“, sagte Gregor. Als er aber den Blick seiner Schwester sah, fügte er kleinlaut hinzu: „Wenn ich groß bin!“

Das war kein guter Vorschlag, brauchte doch der Huck sehr schnell sein Mühlenrad. Die kleine Jule spielte derweilen in einer Ecke mit kleinen Holzbrettchen und rief immer: „Bauen! Bauen!“ Sie brauchte Hilfe, um die Brettchen zu einem Turm zu fügen.

„Julchen, du hast die Lösung!“, rief Paula erleichtert. „Wir bauen ein Mühlrad und schenken es dem Vater zu seinem Geburtstag! Dann wird er es aufstellen und Huck hört das 'Klack, klack, klack!'“  Der Kobold hörte die Rede wohl und wollte sie auch glauben, aber können Kinder ein stolzes, großes, schönes Mühlenrad bauen, das auch noch „Klack, klack, klack!“ und „Klapp, klapp, klapp!“ machen kann?!

„Ich werde euch helfen, damit es auch ein schönes und großes Mühlenrad wird“, erklärte Huck. Und damit war der Bau des Rades eine beschlossene Sache.

Im Schuppen wurde die Werkstatt eingerichtet und draußen hing ein Schild: „Zutritt für Papa verboten!“

Die Eltern wunderten sich sehr. Die Mutter besuchte ihre Sprösslinge in dem Schuppen und staunte sehr über das Treiben, das hier herrschte. „Schafft ihr es allein oder soll Opa helfen?“, fragte sie.

„Wir versuchen es, allein zu bauen. Ja, Paula?“ Und Paula nickte zustimmend. So nahm das Mühlenrad langsam Form und Gestalt an. Ach ja, einer kam auch in den Schuppen und der konnte sogar den Kobold sehen. Allerdings saß der jetzt ganz oben unter dem Dach und schrie: „Schafft das Untier raus! Es zersaust mich!“ Das Untier machte „Wow!“ und noch einmal „Wow!“ und legte sich neben Julchen, die in einer Ecke mit Brettchen spielte, nieder. „Mein Leon“, brabbelte Jule und schmiegte sich an Leons weiches Fell.

„Huck, komm nur herunter. Leon hat noch nie jemanden gebissen!“, rief Paula.

„Mich hat er geschüttelt und gezwackt! In die Erde hat er mich eingegraben, das Untier!“

„Da musst du ihn aber gewaltig geärgert haben. Sonst ist Leon ganz friedlich.“

„Ich habe ihn nicht geärgert“, erwiderte Huck, „ich habe ihn nur etwas im Kreise laufen lassen.“

„Komm nur runter, Huck“, rief jetzt auch Gregor und Julchen schloss sich an: „Runter kommen!“

So kroch denn Huck vorsichtig nach unten. Leon, das kleine Männlein sehen, machte „Wow!“ und hast du nicht gesehen, saß Kobold Huck wieder im obersten Gebälk.

„Nie und nimmer! Schafft das Untier raus!“ Ganz grün war Huck - vor Ärger oder war es die Angst vor Leon? Erst am dritten Tag schafften es die Kinder, dass Huck sich auf den Boden begab. Am sechsten Tag hatten die Kinder Huck und Leon wieder miteinander versöhnt. Gregor gab dem Huck einen riesigen, saftigen Knochen und Huck hielt diesen vorsichtig dem Leon unter die Nase. Ein Schnapp und ein lautes Knacken und Schmatzen – Leon akzeptierte Huck als Freund.

Das Rad näherte sich der Fertigstellung. Doch irgendwie sah es recht komisch aus. Die Kinder betrachteten es und Huck erklärte traurig: „Das ist kein Mühlenrad. Das kann nicht 'Klack, klack, klack!' machen.“ Und leider mussten Gregor und Paula dem Kobold Huck recht geben.

In diesem Moment trat Großvater Johann in den Schuppen. Huck konnte sich gerade noch unsichtbar machen. „Opa!“, riefen Paula und Gregor gleichzeitig erschrocken aus.

„Ich will doch mal sehen, was euer Geburtstagsgeschenk macht“, erklärte ihr Großvater. Die Kinder zeigten auf das Mühlenrad und da prustete Großvater Johann laut los. „Das ... Das ... Das ...!“ Weiter kam er nicht. Immer wieder zeigte er auf das sogenannte Mühlenrad und lachte und lachte. Alle in dem Raum wussten, warum Großvater Johann sich vor Lachen krümmte. Das Rad sah auch zu komisch aus. Dann, als sich ihr Opa beruhigt hatte, erklärte er den Enkeln: „Ich kann euch ein Mühlenrad bauen. Das ist etwas für Fachleute. Darf ich euch helfen?“

Erleichtert nickten Gregor und Paula. „Gut, fangen wir an!“ „Wo soll das Rad stehen?“ „Soll es sich bewegen oder nur stehen?“ „Soll es mit Wasser angetrieben werden?“ All die Fragen beantworteten die Kinder. „Gut, dann verteilen wir die Arbeit“, erklärte Großvater Johann. „Also ich ...“ Großvater wurde unterbrochen. Paula hatte die ganze Zeit ein Wispern im Ohr. Sie hörte immer und immer wieder: „Klack, klack, klack!“ und „Klapp, klapp, klapp!“ Huck saß unsichtbar für Großvater Johann auf Paulas Schulter und flüsterte ihr diese Worte ins Ohr. „Opa“, sagte Paula jetzt, „eins fehlt noch. Das Mühlenrad muss 'Klack, klack, klack!' und 'Klapp, klapp, klapp!' machen!“

„Muss das sein?“, fragte Großvater Johann erstaunt. Und er hörte ein feines Stimmchen rufen: „Ja, es muss sein! Sonst wäre es doch kein Mühlenrad!“

Großvater achtete zum Glück nicht darauf und verteilte die Arbeit. In den nächsten Tagen gruben Gregor und Paula einen Schacht zum Wasser- und Stromanschluss. Julchen und Großmutter Anna bastelten bunte Bänder und Fähnchen, mit denen sie das Mühlenrad schmücken wollten. Elektriker und Klempner kamen, der Baumarkt lieferte das Holz für das Mühlenrad. Jetzt war Großvater Johann einige Tage und Nächte nicht mehr zu sehen. Es klopfte und sägte im Schuppen und Huck, der sich vom Fortgang der Arbeiten überzeugen wollte, staunte nur, wie schnell dem Großvater die Arbeit von der Hand ging. Und Peter, der Wirt? Der grübelte, was da seine Kinder mit dem Großvater ausgeheckt haben konnten. Alle, die er fragte, lachten nur. Doch einmal hatte er Glück. Von Julchen bekam er eine Antwort, mit der er allerdings nichts anfangen konnte. „Klack! Klack!“, sagte Julchen nämlich und einmal auch: „Klapp!“

Peters Geburtstag kam. Noch im Morgengrauen rollte Großvater mit guten Freunden das große Mühlenrad auf den Hof. Diese Männer waren aber auch notwendig, das Rad in die Lager des Gestells zu bringen. Dann durfte Gregor die Wasserpumpe anstellen und als das Wasser floss, hörte in der kleinen, alten Mühlenkammer ein kleines Männlein ein zauberhaftes Geräusch: „Klapp, klapp, klapp!“ Und dann ein „Klack, klack, klack!“ Kobold Huck strahlte übers ganze Gesicht. „Endlich!“, seufzte er zufrieden. „Endlich!“

Doch, wieso hörte das „Klack, klack, klack!“ wieder auf? Huck schlich nach draußen und sah, wie die alte Wirtin Anna mit ihrer Enkelin das Mühlenrad schmückte. Die Wirtin Sophie trug eine Riesentorte auf den Hof zum Mühlenrad. Und auf der Torte war als Verzierung ein wunderschönes Mühlenrad geformt. Dann standen alle, die Wirtin mit ihren Kindern, die alten Wirtsleute und die Helfer auf dem Hof und weckten Peter, den Wirt. „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“, riefen sie und Peter guckte verschlafen aus dem Fenster heraus, verwundert, wer so früh am Morgen solch gewaltigen Krach machte.

Wenige Minuten später durfte Peter, der Wirt, das Wasser anstellen, die Torte anschneiden und mit all seinen Gästen auf seinen Geburtstag anstoßen. Und seit dieser Zeit hört der Kobold Huck sein „Klack, klack, klack! und das „Klapp, klapp, klapp!“ Das Gasthaus „Zur Mühle“ hat wieder ein Mühlenrad - so wie es sich für ein Gasthaus, das „Zur Mühle“ heißt, auch gehört.

 

Zwei Dinge müssen dieser Geschichte noch angefügt werden.

Damit Huck auch im kalten Winter auf sein „Klack, klack, klack!“ und das „Klapp, klapp, klapp!“ nicht verzichten muss, nahm Gregor das uralte Tonbandgerät, es stammte noch aus der Kinderzeit seines Vaters, und nahm das „Klack, klack, klack!“ und das „Klapp, klapp, klapp!“ auf Tonband auf. Das Tonbandgerät stellte er in die alte Mühlenkammer. Jetzt braucht Kobold Huck nur noch auf einen Schalter drücken und er hört sein “Klack, klack, klack! und das „Klapp, klapp, klapp!“

So zufrieden war er lange nicht mehr, der Kobold Huck. Er rief alle Kinder zu sich, versprach ihnen, sich ihnen immer dankbar zu erweisen und verkündete, dass sie ihn nun nicht mehr sehen durften. „Schaut mir in die Augen!“, beschwor er die Kinder und Paula und Gregor schauten wie gebannt in Hucks grasgrüne Augen.

„Huck, huck, huckepack,

hab das Rad in meinem Sack.

Sehen mich die Kinder nicht,

dann hab erfüllt ich Kobolds Pflicht!“

So vergaßen Gregor und Paula den Kobold Huck. Fragt ihr sie danach, so zucken sie nur verständnislos mit den Schultern. Nicht aber Julchen! Die kleine Jule schaute dem Huck nämlich nicht in die Augen, wie er es verlangt hatte. Fragt Julchen, ob sie den Kobold kennt und wenn Julchen mit „Klack, klack, klack!“ oder auch „Klapp, klapp, klapp!“ antwortete, dann wisst ihr, dass diese Geschichte weder erstunken noch erlogen ist. Probiert es!