Nachgedacht über ...

… über die Zukunft

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von Joachim Größer  (2017)

 

Möchten Sie wissen, was die Zukunft Ihnen bringt? Möchten Sie in die Zukunft schauen, vorhersehen, wie sich die Menschheit entwickelt?

Der Franzose Jules Verne - einer der Begründer der Science-Fiction-Literatur - hat mit seinen Fantasie-Romanen vor 150 Jahren einen Einblick gegeben, wie er sich die Zukunft vorstellt. Und man soll es nicht meinen, aber viele seiner fantastischen Ideen sind in der Tat später umgesetzt worden. So ist wohl das bekannteste U-Boot aller Zeit die „Nautilus“ aus seinem Roman „20000 Meilen unter dem Meer“. Und mit der Nautilus ist der Name des Kapitäns Nemo verbunden. Seit dem Beginn des 20. Jh. gehören U-Boote zur Standardausrüstung einer Kriegsflotte.

Als der erste Sputnik am 4. Oktober 1957 von der Sowjetunion gestartet wurde, da glaubten viele Menschen in Ost und West, dass die Eroberung des Weltalls in Riesenschritten geschehen wird. Auch zog man Vergleiche zu Jules Vernes berühmten Roman „In 80 Tagen um die Welt“, denn der „Sputnik“ schaffte die Reise um die Erde in 96 Minuten. Und so mancher hoffte damals, im Jahre 2000 bestimmt eine Urlaubsreise zum Mond buchen zu können. Als die Amerikaner dann 1969 auf dem Mond landeten, da glaubte man, das Universum „erobert“ zu haben.

Aber vor 50/60 Jahren hatte man kaum Vorstellungen, wie die Computertechnik unaufhaltsam revolutionäre Prozesse in Wirtschaft und Gesellschaft anstößt und beherrscht. Und wenn ich in der Jetztzeit lese, dass ein Sportschuh-Herstellers angekündigt hat, dass er die Produktion in den Billig-Lohn-Ländern aufgibt und in Deutschland eine Fabrik errichten will, die vollautomatisch Sportschuhe herstellen wird, dann kommt man ins Grübeln.

Roboter, leistungsfähige Computer, vernetzte Technik - man arbeitet dann billiger als die billigsten „Arbeitssklaven“ in den unterentwickelten Ländern. Denn Maschinen erhalten keinen Lohn, brauchen keinen Schlaf, werden nie krank, arbeiten 24 Stunden – Tag und Nacht. Eine Handvoll Spezialisten beaufsichtigt die Fabrik und sie produzieren so viel, wie es früher 3000 Menschen taten. Bald wird dieser Trend nicht nur das produktive Gewerbe umfassen, auch Dienstleiter könen durch Roboter ersetzt werden. In Japan setzt man z. B. bereits Roboter mit menschlichem Antlitz zur Altenpflege ein.

Wie wird dann zukünftig unsere Arbeitswelt aussehen? Wird es genug Arbeit geben? Werden die Menschen akzeptieren, dass Maschinen ihnen (scheinbar) die Arbeit wegnehmen?

 Als vor 200 Jahren in England die Industrielle Revolution den Heimarbeitern - den Webern und Wirkern - ihre Arbeit nahm, stürmten hungernde und darbende Menschen die neuen Web- und Spinnmaschinen und zerstörten sie. Doch der Fortschritt war nicht aufzuhalten. Der Antrieb für den Fortschritt war immer das Streben nach dem höchsten Profit. Der Mensch spielt im Kapitalismus des 19. Jh. nur dann eine Rolle, wenn er für die Schaffung des höchsten Gewinnes nutzbringend war. Und heute? Wir leben immer noch in einer kapitalistischen Welt! Selbst in China hat eine kommunistische Partei Formen der kapitalistischen Wirtschaftswelt gefördert. Heute leben die meisten Milliardäre in einem kommunistischem Land!

Und Deutschland ist heute das wirtschaftlich höchstentwickelte Land in Europa. Es ist aber auch das Land, indem die Kluft zwischen arm und reich am größten ist und immer größer wird. Ist das symptomatisch für diese Entwicklung?! Die sogenannte Elite redet das Problem klein. „Den Menschen geht es gut!“ So predigt man – nicht von der Kanzel, sondern über die Medien. Probleme werden kaum aufgegriffen, sondern „kleingeredet“. Man fragt sich, haben diese sogenannten Eliten überhaupt ein Zukunftsvision? Heißt es auch in Zukunft „Weiter so!“ oder entwickelt man ein gesamtgesellschaftliches, zukunftsträchtiges Wirtschafts- und Gesellschaftsprogramm?

 

Zwei Entwicklungen wären möglich!

 

1.      Die Zahl der Menschen, die Arbeit haben, wird immer geringer. Es bildet sich eine Schicht hochintelligenter und hochgebildeter „Kopfarbeiter“ heraus, die die Produktion, die Verteilung und die Konsumtion managen. Im Jahre 2100 könnten wenige Millionen Menschen die gesamte Erde mit ihren 10 Milliarden Menschen beherrschen.

Wird das Kernstück des Kapitalismus, das Streben nach dem höchsten Profit beibehalten, droht die Erde „zu sterben“. Rücksichtsloser Landraub, Vernichtung von Lebensqualität, Verachtung der einst selbst propagierten bürgerlichen Menschenrechten. Milliarden Menschen werden entmündigt, werden mit Fernsehen, Internet, Presse u. a. heute noch nicht entwickelten Beeinflussungsmedien verdummt. Man versorgt diese Menschenmassen mit dem Lebensnotwendigen, gibt ihnen billigen Wohnraum, eine ärztliche Grundversorgung (natürlich ausgeführt von Medizin-Robotern) und verbietet ihnen, sich den Wohnsiedlungen der Elite auch nur zu nähern.

Begehren Menschen auf, wollen sie teilhaben am Leben der selbst ernannten Elite, so steht eine Roboterarmee zur Verfügung, die ohne menschliche Emotionen gnadenlos Befehle ausführen wird. Es wird ein Leichtes sein, Menschen ihr Menschsein zu nehmen, ihr „Ich“ wird vernichtet – so hat es bereits der polnische Schriftsteller Stanislaw Lem vor 50 Jahren in seiner utopischen Erzählungen „Der Unbesiegbare“ beschrieben.

Die „Auserwählten“ – die selbst ernannte Elite der Gesellschaft hat längst das Tor zur Galaxis aufgestoßen. Sollte auf der Erde es zu einem Vernichtungskampf kommen, so besitzt man in 300 oder 500 Jahren nicht nur feste „Wohnplätze“ auf Mond, Mars und Venus, man beherrscht auch aus dem Weltall die Erde mit Waffen, die heute nur in den Köpfen von Science-Fiction-Autoren geschaffen worden sind.

Und damit erinnert diese Vision an grausame Science-Fiction-Filme. So brutal und gewalttätig auch so mancher Film dieses Genre uns heute erscheinen mag – wenn die Herrschaft der Minderheit über die Mehrheit in Gefahr ist, dann …

 

Das wäre wirklich eine Horror-Vision! Aber mal ehrlich: Hätte man in den 1920/30-iger Jahren gedacht, dass es im „Land der Dichter und Denker“, dem „Hort des Humanismus“ es eine faschistische Diktatur geben könnte, die Völkermord und Herrentum als „edle“ Ziele propagiert und umsetzt?! 50 Millionen Tote! Zerstörte Städte und Dörfer, Landstriche, von denen man annahm, es könnte hier auf Jahre kein Mensch mehr leben! Und hätten die Nationalsozialisten bereits die Atomwaffe besessen, sie hätten sie gnadenlos gegen jeden, der ihre Macht bedroht, eingesetzt.

 

Wie könnte eine andere Vision der zukünftigen Entwicklung der Erd-Menschheit aussehen?

 

Vielleicht so:

 

2.      Die Hochtechnologie ermöglicht es der Menschheit, die gesellschaftliche Entwicklung auf eine neue Ebene zu stellen. Dank diesem technologisch hoch entwickelten Produktionsstand wird ein Überschuss an lebensnotwendigen Gütern produziert. Der Kreislauf der materiellen Produktion (produzieren - verbrauchen – entsorgen – produzieren) funktioniert zu fast 100 %. Arbeit gehört zum Selbstwertgefühl eines Menschen und jeder Mensch hat eine Arbeit. Jeder bezieht ein Grundeinkommen, mit dem er alle Bedürfnisse gut befriedigen kann. Die Arbeitszeit wird dem Stand der Produktionsentwicklung angepasst. Die Freizeit, die jetzt jeder Mensch ausreichend zur Verfügung hat, dient nicht nur der Reproduktion seiner Arbeitskraft, sondern schafft Raum für neue Interessen, für Kreativität, für Kunst und Kultur, für Forschung und Wissenschaft und natürlich auch für die Familie.

Nationale Interessen verschwinden zusehends – globales Denken ist angesagt. Es gibt nur noch eine Rasse: die menschliche! Nationale Regierungen werden zu Regulatoren für ein bestimmtes Territorium. Eine Weltregierung wird berufen. Hautfarbe, Religion, Herkunft spielen keine Rolle mehr – es zählt nur der Mensch mit seinem Wissen, seinem Verstand und seinem Können. So bilden die klügsten „Köpfe“ der Menschheit diese Weltregierung.

 

Wie gefällt Ihnen diese Vision? Könnte unsere Erde so in 300 oder 500 Jahren aussehen? Könnten so die Menschen Ihr Zusammenleben gestalten?

 

Was??? Sie meinen, das wäre ja Kommunismus?! Wäre das schlimm? Sehr schlimm?! Warum? Aha – da gäbe es keine Reisefreiheit! (Nur kurz angemerkt: 1. Auch heute kann nur reisen, der Geld hat - kein Hartz –Vier-Empfänger! Überall werden Mauern und Zäune gezogen. Und sind Sie den amerikanischen Geheimdiensten aufgefallen, so dürfen Sie nicht in die USA einreisen. Für einen Journalisten reicht da schon ein kritischer Bericht! – Und das ist Ihre Reisefreiheit?! 2. Es gäbe in diesem weltumspannenden System keinen Kalten oder Heißen Krieg mehr. Es gäbe nur noch ein Wirtschafts- und Sozialsystem ohne nationale Spannungen. Reisen könnten ohne Grenzen geschehen und wären für jedermann möglich.)

 

„Im Kommunismus gibt es kein Privateigentum!“ So sagen Sie. Ja – es gäbe kein Privateigentum, aber nur an Produktionsmitteln. Denn die Erde gehört nicht einer kleinen Handvoll Menschen, sondern der gesamten Menschheit. Und die Gesamtmenschheit bestimmt über die Weltregierung über ihren Heimatplaneten.

 

„Der Kommunismus ist gescheitert! Er war nicht lebensfähig!“ Sie haben recht. Die Sowjetunion und mit ihr die europäischen sozialistischen Staaten sind Vergangenheit. Wenn Sie in Ihrer Erwiderung aber sagen würden „Er war so nicht lebensfähig!“, so würden Sie den „Nagel auf den Kopf“ getroffen haben. Es war einer der Versuche, kommunistische Ideen in die Tat umzusetzen.

 

Schauen wir in die Vergangenheit. „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit!“ Die Losung der Französischen Revolution war bereits vor 2000 Jahren aktuell – nur war sie mit anderen Worten ausgedrückt. Seitdem sich die Sklavenhaltergesellschaft herausgebildet hatte, seitdem Menschen in Besitzende und Besitzlose, in arm und reich eingeteilt wurden, seit dieser Zeit ist die Idee, dass alle Menschen gleich sind, eine Idee der Armen, der Besitzlosen.

Ein sehr, sehr kluger Mann hat einst einen Ausspruch getan, der da lautete: „Jesus Christus war der erste Kommunist!“ Die christliche Institution, die Kirche war als Urkirche ein Mittel zur Bekämpfung der Ungleichheit im Römischen Reiches. Und demzufolge wurden Christen Jahrhunderte lang verfolgt, gekreuzigt und galten als Menschen außerhalb des römischen Rechts.

Erst als der römische Kaiser Konstantin der Große im 4. Jahrhundert das Christentum zur Staatsreligion erhob, veränderte sich auch das Verhältnis der Christen zum Staat. Die Kirche hatte jetzt teil an der Macht; sie wurde zu einem Teil der Macht. Und da die Macht immer abhängig war von den Besitzgütern, häufte auch die Kirche riesige Besitzgüter an. Noch heute gehören in Deutschland die beiden großen Kirchen zu den reichsten Land- und Immobilienbesitzern. Das Bistum Köln ist das reichste Bistum in der katholischen Welt.

Widersprüchliches zeigte aber auch die Geschichte der Kirche selbst auf. Das klassische Beispiel dafür ist die Rolle Martin Luthers zu Beginn des 16. Jh. Er wollte die mächtige und reiche katholische Kirche reformieren und legte sich mit seinen 95 Thesen (anno 1517) mit dem Papsttum und dem Kaiser an. Vor Verfolgung und Bann retteten ihn deutsche Fürsten, die mithilfe Luthers die Macht der katholischen Kirche und des Kaisers zu ihren Gunsten brechen wollten. Die Bibelübersetzung beflügelte nun den „gemeinen“ Stand, den Bauernstand, den Gottesstaat zu schaffen – einen Gottesstaat, wie ihn die Bibel vorgab. Mit Waffen und mit der Bibel kämpfen die aufständischen Bauern gegen die weltliche und kirchliche Obrigkeit. Und Luther musste sich entscheiden: mit den Bauern gegen die Herrschaft der Fürsten oder mit den Fürsten gegen die aufmüpfigen Bauern. Er entschied sich für die Fürsten und entzog den Bauern das Recht, eine „gottgewollte“ Herrschaft zu errichten. Und grausam rächten sich die Fürsten an den revoltierenden Bauern.

Noch viele Beispiele aus der Geschichte gibt es, wo die christliche Religion als Grundlage einer gerechten Gesellschaftsordnung als Beweismittel dienen musste. Und aktuell gibt es einen lateinamerikanischen Papst, der als Papst Franziskus „nicht nur Wasser predigt, sondern auch trinkt“. Papst Franziskus versucht, die Bibel als Gottes Wort tagtäglich umzusetzen. Ein außergewöhnlicher Papst, ein Papst, wie es seit vielen Jahrhunderten noch keinen gab. Als Papst Franziskus Kuba besuchte und mit dem Präsidenten Raul Castro – einem Kommunisten - sprach, soll dieser Raul Castro sinngemäß gesagt haben, dass er sich nach dem Gespräch mit dem Papst vorstellen könnte, wieder ein Katholik zu werden.

 

Wie könnte es sich in einigen Hundert Jahren auf unserem Blauen Planeten leben?

 

-          Fehler der Vergangenheit wurden beseitigt. Die Zersiedlung des Landes wurde nicht nur gestoppt, sondern zurückgebaut. In den Städten wohnen viele Millionen Menschen in Wohnkomplexen, die äußerlich grünen Bergen und Tälern ähneln. Die fruchtbarsten Böden liefern ohne Pestizide ausreichend Nahrungsmittel. Große Gebiete wurden zu Schutzzonen und diese wurden durch grüne Korridore miteinander verbunden. Kein Mensch durfte diese Gebiete jahrzehntelang betreten. Erst als die Wissenschaftler der Meinung waren, dass die Natur stabil genug ist, um Menschen zu „verkraften“ durften die Menschen auf gekennzeichneten Pfaden das Schutzgebiet betreten bzw. mit autonomen Fahrzeugen erkunden.

-          Das Leben der Menschen wird durch Lernen bestimmt. Nachdem jedes Kind einen sogenannten Grundkurs absolviert hatte, wird er entsprechend seiner Fähigkeiten und seinem Wissen gefördert. Da er auch seinen Interessen nachgehen kann, ist diese Bildung nicht starr, sondern sehr flexibel. Auch für Erwachsene ist es üblich, dass er als „Quereinsteiger“ in neue Berufe einsteigt, sich ausprobiert, neues Denken für Probleme mitbringt und umsetzt.

-          Die Medizin wäre in der Lage, einen Menschen auch „über den natürlichen Tod“ am Leben zu erhalten. Aus ethischen Gründen entschied die Menschheit, das Leben auf 120/130 Jahre zu begrenzen. Dies wäre die mögliche natürliche Lebenserwartung. Krankheiten wären so gut wie ausgerottet.

-          Das Verkehrswesen wäre auf vier Ebenen aktiv. Unterirdisch zum Transport von Massengütern – die 1. Ebene. Die 2.: Auf dem Land und dem Wasser werden Güter und Menschen vollautomatisch transportiert. Die 3. Ebene entspräche dem Luftraum, der für den Transport eiliger Güter und Menschen vorgesehen würde. Die 4. Ebene entspricht der außerirdischen Welt. Weltraumraketen übernehmen den Transport von Gütern und Menschen zu den Außenposten (Mond, Mars, Venus) der Erdenmenschen.

-          Von diesen Außenposten aus erschließt man unsere Galaxie – die Milchstraße. Seitdem man Signale aus dem All entschlüsseln konnte, bereitet man sogar einen intergalaktischen Flug vor, der viele Hunderte Menschenjahre dauern wird. In einem gewaltigen Raumschiff werden 10.000 Menschen ihr Leben verbringen. Und da ihre Lebenszeit nicht ausreicht, werden ihre Kinder, ihre Kindeskinder, ihre … das Universum durcheilen.

 

So – was meinen Sie? Könnte so unsere Erde im Jahre 2500 aussehen? Soll ich „weiterspinnen“ oder möchten Sie sich selbst die Zukunft ausmalen? Und in einem Punkt bin ich mir 100 % sicher, einen Krieg sieht Ihre Zukunftsvision nicht vor! Stimmt’s?!