Kindergedichte aus längst vergangener Zeit (Schatz deutscher Kindergedichte)
Der Luftballon (von Heinrich Seidel)
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Das war wohl nicht nach deinem Sinn,
o weh, mein kleiner Hans!
Da fliegt dein Luftballon dahin
im Morgensonnenglanz.
Und die alten Leute um und um,
sie stehn und sehn empor
und freun sich gar und lachen drum,
dass Hänschen ihn verlor.
Der gute Vater spricht: "Ja, ja!
Das kommt davon, mein Sohn!"
"Natürlich!", sagt die Frau Mama,
"das dacht' ich längst mir schon!"
Da geht er ab und segelt fort -
empor mit leichtem Flug -
und sucht sich einen anderen Ort:
Die Welt ist groß genug.
In blaue Luft steigt er gemach,
und unerreichbar fern
verstrahlt er überm Kirchendach
grad wie ein roter Stern.
Nach Süden segelt er geschwind,
zum fernen Afrika,
wo all die schwarzen Menschen sind,
und bald schon ist er da!
Wie dann sich wohl die Kinder freun
und alles tanzt und springt,
wenn übermorgen um halb neun
er dort heruntersinkt!
Im See (von Adolf Holst)
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Heute ist das Wasser warm,
heute kann´s nicht schaden,
schnell hinunter an den See,
heute geh´n wir baden.
Eins-zwei-drei- die Hosen aus,
Stiefel, Wams und Wäsche,
und dann schnell ins Wasser rein,
grade wie die Frösche.
Und der schönste Sonnenschein
brennt uns nach dem Bade
Brust und Buckel knusperbraun,
braun wie Schokolade.
Hinaus ins Freie (von H.H. von Fallersleben)
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Wie blüht es im Tale,
wie grünt's auf den Höh'n!
Und wie ist es doch im Freien,
im Freien so schön!
Es ladet der Frühling,
der Frühling uns ein:
Nach der Weidenflöte sollen
wir springen den Reih'n.
Wer wollte nicht tanzen
dem Frühling zulieb,
der den schlimmen langen Winter
uns endlich vertrieb?
So kommet, so kommet
ins Freie hinaus!
Wann die Abendglocke läutet,
geht's wieder nach Haus.
Großes Scheuerfest (von Gustav Falke)
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Der Himmel hat die ganze Nacht
viel Wasser ausgegossen,
auch schwang der Sturm mit aller Macht
den Besen unverdrossen.
Seht nur, wie alles blitzt und lacht!
Das nenn ich gründlich rein gemacht.
Doch gäb es in der blanken Welt
noch nasse Schuh‘ und Socken,
wär nicht Frau Sonne schon bestellt,
die macht nun alles trocken.
Seht nur, wie sich die Alte müht
und rot im schönen Eifer glüht!
April (von Heinrich Seidel)
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April! April!
Der weiß nicht, was er will.
Bald lacht der Himmel blau und rein,
bald schaun die Wolken düster drein,
bald Regen und bald Sonnenschein!
Was sind mir das für Sachen,
mit Weinen und mit Lachen
ein solch Gesaus zu machen!
April! April!
Der weiß nicht, was er will.
O weh! O weh!
Nun kommt er gar mit Schnee
Und schneit mir in den Blütenbaum,
in all den Frühlingswiegentraum!
Ganz gräulich ist’s, man glaubt es kaum;
Heut Frost und gestern Hitze,
heut Reif und morgen Blitze,
das sind so seine Witze!
O weh! O weh!
Nun kommt er gar mit Schnee!
Hurra! Hurra!
Der Frühling ist noch da!
Und treibt der raue Wintersmann
Auch seinen Freund, den Nordwind, an
Und wehrt er sich, so gut er kann,
es soll ihm nicht gelingen;
denn alle Knospen springen,
und alle Vögel singen.
Hurra! Hurra!
Der Frühling ist doch da!
Willkommen, lieber Frühling (von H.H. von Fallersleben)
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Sei willkommen, lieber Frühling!
Sei gegrüßt viel tausendmal!
Lieber Frühling, bleib recht lange,
lang‘ in unserm stillen Tal!
Dir zu Ehren sollen schallen
unsere Flöten und Schalmein,
und wir wollen dir zu Ehren
tanzen unsern Ringelreih’n.
Und wir wollen Kränze winden
und uns schmücken schön wie du,
und wir wollen Lieder singen
und so fröhlich sein wie du.
Das Huhn und der Karpfen (von Heinrich Seidel)
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Auf einer Meierei,
da war einmal ein braves Huhn,
das legte, wie die Hühner tun,
an jedem Tag ein Ei
und kakelte,
mirakelte,
spektakelte,
als ob’s ein Wunder sei!
Es war ein Teich dabei,
darin ein braver Karpfen saß
und stillvergnügt sein Futter fraß,
der hörte das Geschrei:
Wie’s kakelte,
mirakelte,
spektakelte,
als ob’s ein Wunder sei.
Da sprach der Karpfen: „Ei!
Alljährlich leg ich ‚ne Million
Und rühm mich des mit keinem Ton;
Wenn ich um jedes Ei
So kakelte,
mirakelte,
spektakelte –
was gäb’s für ein Geschrei!“
Hans und die Spatzen (von Rudolf Löwenstein)
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"Ach Vater, sprich, wie fang ichs's an,
dass ich Spatzen fangen kann?
Die Spatzen!"
Der Vater spricht: "So streu, mein Hans,
hübsch Salz auf den Schwanz!
Den Spatzen!"
Drauf nimmt er eine Handvoll Salz
und lauert mit gestrecktem Hals
auf Spatzen.
Und als der erste sich gesetzt,
schleicht er heran: Dich krieg ich jetzt,
dich Spatzen.
Das Spätzlein aber flog husch, husch,
hinweg zum nächsten Lindenbusch.
Ach, Spatzen!
"Sie halten, Vater, ja nicht still,
wenn ich das Salz hinstreuen will,
die Spatzen!"
"So lass die spatzen, Hans, in Ruh!
Sie sind halt klüger doch als du,
die Spatzen."
Kätzchen will Fliegen fangen (von Gustav Falke)
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Ist's nicht zum Lachen?
Kätzchen will Fliegen fangen
und weiß es nicht zu machen.
Immer summ und immer brumm,
dicht um Kätzchens Nas' herum.
Wie es greift und wie es grapst,
immer hat's vorbeigeschnappst.
Immer summ und immer brumm,
Kätzchen springt um sich selbst herum.
Auf einmal sitzt es ganz still und guckt,
nur das weiße Schwänzchen zuckt.
Warte nur, Fliege! Jetzt muss es glücken.
Ein Luftsprung.
Ätsch! da liegt's auf dem Rücken.
Immer summ und immer brumm,
dicht um Kätzchens Nas' herum.
Liebes Kätzchen, nimm's nicht krumm;
aber du bist furchtbar dumm,
summ, summ, summ,
furchtbar dumm.
Fuchs und Gans (von Johannes Trojan)
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Auffordert zum Tanz
das Füchslein die Gans.
Der Gans ist es recht,
es gefällt ihr nicht schlecht,
und es schmeichelt ihr sehr -
mit dem Fuchse zu tanzen, was für eine Ehr'!
Aufführet den Tanz
der Fuchs mit der Gans.
Wie schwenkt er sie schnell,
der charmante Gesell!
Wie rasch er sie dreht,
dass Hören und Sehn ihr und Schnattern vergeht!
Austanzte den Tanz
der Fuchs mit der Gans.
Die Federn noch stieben -
wo ist sie geblieben?
Sag an, wo sie steckt!
Ei, frage den Fuchs, der die Schnauze sich leckt.
Bei Goldhähnchens (von Heinrich Seidel)
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Bei Goldhähnchens war ich jüngst zu Gast.
Sie wohnen im grünen Fichtenpalast,
in einem Nestchen klein,
sehr niedlich und sehr fein.
Was hat es gegeben? Schmetterlingsei,
Mückensalat und Gnitzenbrei
und Käferbraten famos -
zwei Millimeter groß.
Dann sang uns Vater Goldhähnchen was,
so zierlich klang's wie gesponnenes Glas.
Dann waren die Kinder besehn:
sehr niedlich alle zehn!
Dann sagt ich: "Adieu" und "Danke sehr!"
Sie sprachen: "Bitte, wir hatten die Ehr',
und hat uns mächtig gefreut!"
Es sind doch reizende Leut!
Die Gäste der Buche (von Rudolf Baumbach)
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Mietegäste vier im Haus
hat die alte Buche.
Tief im Keller wohnt die Maus,
nagt am Hungertuche.
Stolz auf seinen roten Rock
und gesparten Samen
sitzt ein Protz im ersten Stock,
Eichhorn ist sein Name.
Weiter oben hat der Specht
seine Werkstatt liegen,
hackt und zimmert kunstgerecht,
dass die Späne fliegen.
Auf dem Wipfel im Geäst
pfeift ein winzig kleiner
Musikant froh im Nest. -
Miete zahlt nicht einer.
Wo bin ich gewesen? (von Johannes Trojan)
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"Wo bin ich gewesen?
Nun rat einmal schön!"
"Im Wald bist gewesen,
das kann ich ja sehn.
Spinnweben am Kleidchen,
Tannnadeln im Haar,
das bringt ja nur mit,
wer im Tannenwald war!"
"Was tat ich im Wald?
Sprich, weißt du das auch?"
"Hast Beerlein gepickt
vom Heidelbeerstrauch.
O sieh nur, wie blau um das Mündchen du bist!
Das bekommt man ja nur, wenn man Heidelbeeren isst!"
Peter und das Echo (von Rudolf Löwenstein)
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Möcht wissen, wo der Kerl nur steckt,
der mich im Walde foppt und neckt?
Bald tönt's von rechts, von links dann her!
So wie ich rufe, ruft auch er.
Wenn ich dich krieg, na warte!
Warte ...
Was sprichst du mit mir immerzu?
Du feiger Kerl, wie heißt denn du?
So wahr ich Peter heiß, aufs Wort!
Ich fasse dich und schlepp dich fort,
ob früher oder später!
Peter ...
Sei still und sprich kein Wörtchen mehr,
sonst hol ich mir ein Schießgewehr,
und hab ich dich aufs Korn gefasst,
so schieß ich dich vom höchsten Ast
herab mit meiner Waffe!
Affe ...
Du schimpftest gar, du dummer Wicht!
Wahrhaftig, nein, das leid ich nicht!
Ich geh nicht eher hier vom Fleck,
bis ich gefunden dein Versteck,
dass ich mit dir mich boxe!
Ochse ...
Fehlgeschossen (von Wilhelm Busch)
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Fritz war ein kecker Junge
und sehr geläufig mit der Zunge.
Einstmals ist er beim Ährenlesen
draußen im Felde gewesen,
wo die Weizengarben, je zu zehn,
wie Häuslein in der Reihe stehn.
Ein Wetter zog herauf.
Da heißt es. Lauf!
Und flink wie ein Mäuslein
schlüpft er ins nächste Halmenhäuslein.
Krach! – Potztausendnochmal!
Dicht daneben zündet der Wetterstrahl.
„Ätsch!“, rief der Junge, der nicht bange.
„Fehlgeschossen, Herr Blitz!
Hier saß derFritz!“
Hänschen auf der Jagd (von Heinrich Seidel)
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Hänschen wollte jagen gehen,
hatte kein Gewehr,
sah er einen Besen stehn.
Herz, was brauchst du mehr?
Hänschen ging voll Jagdbegier
mit dem Besen aus:
„Mutter, einen Braten dir
bring ich bald nach Haus!“
Nun mit Jägerleidenschaft
lief er in das Feld,
und er schoss mit voller Kraft
auf der ganzen Welt!
Saß ein Häschen auf der Flur,
Hänschen machte: „Bumm!“
Häschen machte Männchen nur,
aber fiel nicht um.
Saß ein Rabe auf dem Baum,
Hänschen machte: „Puh!“
Doch der Rabe wie im Traum
saß in guter Ruh.
Hüpft ein Sperling an den Weg,
Hänschen machte: „Paff!“
Doch der Sperling piepte frech,
„Hänschen, bist ein Aff!“
Hänschen nun verlor den Mut,
zog ein schief Gesicht:
„Schießen tut die Flinte gut,
doch sie trifft ja nicht!“
Traurige Geschichte von dummen Hänschen (von Rudolf Löwenstein)
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Hänschen will ein Tischler werden,
ist zu schwer der Hobel.
Schornsteinfeger will er werden,
doch das ist nicht nobel.
Hänschen will ein Bergmann werden,
mag sich doch nicht bücken.
Hänschen will ein Müller werden,
doch die Säcke drücken.
Hänschen will ein Weber werden,
doch das Garn zerreißt er.
Immer, wenn er kaum begonnen,
jagt ihn fort der Meister.
Hänschen, Hänschen, denke dran,
was aus dir noch werden kann.
Hänschen will ein Schuster werden,
sind zu hart die Sohlen.
Hänschen will ein Schlosser werden,
sind zu heiß die Kohlen.
Hänschen will ein Schneider werden,
doch die Nadeln stechen.
Hänschen will ein Glaser werden,
doch die Scheiben brechen.
Hänschen will Buchbinder werden,
riecht zu sehr der Kleister.
Immer, wenn er kaum begonnen,
jagt ihn fort der Meister.
Hänschen, Hänschen, denke dran.
was aus dir noch werden kann.
Hänschen hat noch viel begonnen,
brachte nichts zu Ende.
Drüber ist die Zeit verronnen,
schwach sind seine Hände.
Hänschen ist nun Hans geworden,
und er sitzt voll Sorgen,
hungert, bettelt, weint und klagt
abends und am Morgen.
Ach, warum nicht war ich Dummer
in der Jugend fleißig?
Was ich immer nur beginne,
dummer Hans nur heiß ich.
Ach, nun glaub ich selbst daran,
dass aus mir nichts werden kann.
Der Vater kann alles (von Heinrich Seidel)
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Liebes Lenchen, hör nur an,
was mein Vater alles kann!
Alles, alles kann er machen!
Und er schnitzt die schönsten Sachen:
Auf dem Dach die Klappermühle,
unsre kleinen Kinderstühle,
Vogelbauer, Meisenkisten,
Körbe, drin die Hühner nisten,
einen Fresstrog für die Gänschen
und ‚nen Peitschenstiel für Hänschen.
Kleine Wagen kann er machen,
Hüte von Papier, und Drachen,
Körbchen aus Kastanien schneiden,
Flöten auch aus Rohr und Weiden.
Alles kann er, und so gut,
wie es wohl kein andrer tut.
Abends bei der Lampe Schimmer
spielt er auf der Zither immer
und er macht mit seiner Hand
Schattenspiele an der Wand –
ja, es ist beinah zum Grauen,
so natürlich anzuschauen:
einen Hahn mit Kamm und Sporen,
Häschen auch mit langen Ohren,
einen Vogel, der da fliegt,
und ein dickes Schwein, das liegt,
eine Gämse mit der Gabel,
einen Schwan mit Hals und Schnabel.
Gar nichts gibt es, denk nur an,
was er dir nicht machen kann!
Lenchen, ja ich glaube sehr,
nur der liebe Gott kann mehr!
Der Mutter vorzusingen (von Robert Reinick)
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Ach wär ich ein Vöglein,
ich wüsst, was ich tät:
Ich lernte mir Lieder
von morgens bis spät,
dann setzt ich mich dort,
wo lieb Mütterlein wär,
und säng ihr die Lieder
der Reihe nach her.
Und wär ich ein Fischlein,
ich wüsst, was da wär:
Ich tauchte zum Grunde
tief unten ins Meer,
holt Bernstein und Muscheln,
ihr glaub, nur für mich?
Der Mutter den Bernstein,
die Muscheln für mich.
Und wär ich ein Schneider,
ich wüsst, was ich sollt:
Ich macht‘ ein paar Kleider
von Seiden und Gold,
das eine wär groß,
das andre wär klein,
der Mutter das große,
das kleine wär mein!
Und wär ich ein Schuster,
ich hätt‘ keine Ruh,
ich machte für mich
und fürs Mütterlein Schuh;
die wären zum Tanz
nicht zu kurz, nicht zu lang,
dann tanzten wir beid
nach der Vöglein Gesang.
Und wär ich ein Schäflein,
da hab ich im Sinn:
Ich gäb alle Wolle
dem Mütterlein hin,
das spinnt sicherlich
zwei Dutzend Paar Strümpfe
für sich und für mich.
Und wär ich der Winter,
es sollt dich nicht reun,
das Eis und der Schnee
müssten Zucker dann sein,
und die Erde der Kuchen,
den brockten wir fein,
meine Mutter und ich,
in den Kaffee hinein.
Doch mancherlei möchte ich
denn doch wohl nicht sein:
nicht Apfel, noch Kirschen,
nicht Wasser, noch Wein;
dann äßest du mich,
oder tränkst du mich aus,
dann hätt‘ meine Mutter
kein Kind mehr im Haus.
Warten ist schwer (von Heinrich Seidel)
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Aus dem winz’gen Kirschenstein
Kommt ein Baum hervor,
aus dem kleinsten Körnelein
wächst ein Blumenflor.
Darum graben wir im Garten,
sä’n und pflanzen sehr,
aber warten, warten, warten –
das ist gar zu schwer!
Könnten wir doch wachsen sehen
Blumen, Bäume, Gras,
während wir daneben stehen,
ja, dann wär’s ein Spaß!
Hasenjagd (von Gustav Falke)
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Rische, rasche, rusche,
der Hase sitzt im Busche.
Wolln wir mal das Leben wagen,
wolln wir mal den Hasen jagen?
Rusche, rasche rische,
der Hase sitzt bei Tische.
Siehst du dort im grünen Kohl ihn?
Flink, nun lauf mal hin und hol ihn!
Rische, rusche, rasche,
hast ihn in der Tasche?
Was? Ist in das Feld gegangen?
Ätsch! Kann nicht mal Hasen fangen!
Die Wohnung der Maus (von Johannes Trojan)
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Ich frag die Maus:
„Wo ist dein Haus?“
Die Maus darauf erwidert mir:
„Sag’s nicht der Katz, so sag ich’s dir.
Treppauf, treppab,
erst rechts, dann links,
und dann gradaus –
das ist mein Haus,
du wirst es schon erblicken!
Die Tür ist klein,
und trittst du ein,
vergiss nicht, dich zu bücken!“
Ferien (Autor unbekannt)
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Hurra, hurra!
Nun sind die Ferien da!
Ade, du Schulbank,
nun geht es frei und frank
die schöne Welt entlang
zum fernen Meeresstrande,
zu des Gebirges Rande,
zum Onkel auf dem Lnde!
Hurra, hurra!
Nun sind die Ferien da!
Jeder nach seiner Art (von H.H. von Fallersleben)
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Immer langsam, immer langsam
Ohne Sang und ohne Klang
Geht die Schnecke ihren Gang.
Will sie gehen, will sie gehen
In die weite Welt hinaus,
nimmt sie mit ihr ganzes Haus.
Ist es draußen, ist es draußen
Trübes Wetter, feucht und nass,
dann spaziert sie in dem Gras.
Scheint die Sonne, scheint die Sonne
Hängt sie sich an einen Baum,
bleibt im Haus und rührt sich kaum.
Ihr Weise, ihre Weise
Hat die Schnecke so wie du:
Nun, so lass sie denn in Ruh!
Die Kröte (von Johannes Trojan)
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Giftig bin ich nicht,
Kinder beiß ich nicht,
Wurzeln mag ich nicht,
nach Blumen frag mich nicht;
Würmlein und Schnecken,
die lass ich mir schmecken.
Ich sitz in dunklen Ecken
Und bin sogar bescheiden,
doch keiner kann mich leiden.
Das trübt mich in meinem Sinn.
Kann ich dafür, dass ich hässlich bin?
Frisch gewagt (von Wilhelm Busch)
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Es kamen mal zwei Knaben
an einen breiten Graben.
Der erste sprang hinüber,
schlankweg, je eh’r, je lieber.
War das nicht keck?
Der zweite, fein besonnen,
eh er das Werk begonnen,
sprang in den Dreck.
Ein dicker Sack (von Wilhelm Busch)
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Ein dicker Sack – den Bauer Bolte,
der ihn zur Mühle tragen wollte,
um auszuruhn, mal hingestellt
dicht an ein reifes Ährenfeld –
legt sich in würdevollen Falten
und fängt ‘ne Rede an zu halten.
„Ich“, sprach er, „bin der volle Sack.
Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.
Ich bin’s, der euch auf dieser Welt
in Einigkeit zusammenhält.
Ich bin’s, der hoch vonnöten ist,
dass euch das Federvieh nicht frisst;
ich, dessen hohe Fassungskraft
euch schließlich in die Mühle schafft
Verneigt euch tief, denn ich bin Der!
Was wäret ihr, wenn ich nicht wär?“
Sanft rauschten die Ähren:
„Du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären.“
Wird fortgesetzt!
Fantastisches! Schauriges! Wahres!
Spannendes! Lustiges!
Dies alles ...
... in Büchern und Geschichten von Joachim Größer

